Fakten zum Angriff

Den Hergang des Angriffs hat Georg Miedel minuziös erforscht - auch in den US-Archiven: Aus diesen geht hervor, dass die acht Jagdflugzeuge vom Typ Thunderbold um 8.10 Uhr in Frankfurt am Main starteten, ursprünglich nicht mit dem Ziel Neustadt am Kulm. Sogenannte Controller hatten die Aufgabe, die Flieger zu dirigieren. Sie gaben den Piloten direkt von der Front Ziele durch, die die Bodentruppen beim Vormarsch behinderten. Miedel weiß aus den Archiven, dass der Controller mit dem Codenamen Pailful der Staffel kein Ziel nennen konnte und sie deshalb auf Controller Coolbreeze verwies. Der lenkte die Bomber schließlich zu ihrem Ziel: Neustadt am Kulm. Wieso er das tat, ist bis heute nicht geklärt.

Der Himmel war "sechs Zehntel bewölkt", heißt es in den Akten der US-Armee, als die Flieger gegen 8.55 Uhr den Angriff auf die Stadt starteten. Mehrfach flogen sie von Nordosten, also vom Rauhen Kulm, an. Während des Angriffs warfen sie vier 500-Pfund-Sprengbomben und acht Brandbomben mit einem Gesamtgewicht von zwei Tonnen aus rund 150 Meter Höhe auf die Stadt. In der zweiten Welle schossen die Angreifer 20 Raketen aus 60 Metern Höhe ab. Auch die Zahl der Schüsse der Maschinengewehre ist vermerkt: Es waren genau 3021. Gegen 10 Uhr war der Angriff vorbei, um 11 Uhr landeten die Flugzeuge wieder in Frankfurt. In den Akten heißt es, der Angriff sei "erfolgreich bis sehr erfolgreich" verlaufen.

In Neustadt blieben drei Tote zurück. Neben Mutter Babette und Tochter Frieda Beierlein (siehe Artikel) starb der Nürnberger Georg Harles. Der Mann war bettlägrig und konnte sich nicht in Sicherheit bringen. Bomben, Raketen und das Feuer vernichteten 39 Wohnhäuser und 129 Nebengebäude.

Georg Miedel gibt Einblicke in seine Sammlung von Akten und Bilddokumenten. Mit dem Förderverein "Rauher Kulm" hat er die Schau "19. April 1945 - 70 Jahre danach" vorbereitet. Diese Ausstellung öffnet in der Volksschule am Sonntag, 19. April, von 11 bis 19 Uhr. An den folgenden Sonn- und Feiertagen ist die Ausstellung jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Dort zeigt er auch einen Film von der Bombardierung aus der Perspektive der Angreifer. Schon jetzt sind diese besonderen Bilder im Oberpfalznetz zu sehen.

Weitere Reportagen zum Geschehen während des Vordringens der Amerikaner in der Region enthält das Buch "Sie kommen! Erhältlich ist es für 19,95 Euro im Onlineshop unseres Verlags (www.buch-und-kunstverlag.de) und im Buchhandel (ISBN 978-3-95587-008-9).

Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/kriegsende
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