Fanatismus des Hofpredigers einer der wichtigsten Gründe für das Scheitern Friedrichs V. als böhmischer König

Der Aufenthalt des künftigen böhmischen Königs in Eger muss für Bürgermeister Andreas Cramer bereits Anlass zu düsteren Vorahnungen gewesen sein: War Friedrich V. wirklich die geeignete Persönlichkeit, den Kampf der böhmischen Protestanten gegen den Kaiser erfolgreich zu bestehen? Selbstverständlich hat Friedrich V., als erwählter Anführer aller protestantischen Christen in Böhmen, vor seiner Weiterreise nach Prag, auch einen Gottesdienst besucht.

Die Abbildungen von Heiligen auf Gemälden, Skulpturen und Kirchenfenstern waren für den hohen Gast ungewohnt. Diese gab es, seit dem "Bildersturm" (ab 1566) während der Regentschaft seines Großvaters, des kalvinistischen Kurfürsten Friedrich III., in der Pfalz längst nicht mehr. In den Egerer Kirchen jedoch hatte es eine Zerstörung religiöser Kunstwerke nie gegeben, denn die Bürger bekannten sich (seit 1564) zur lutherischen Konfession.

Der fanatische Hofprediger des neuen Königs, Abraham Scultetus, aber betrachtete diese Darstellungen von Heiligen verärgert als "heidnische Götzenbilder". Für Bürgermeister Andreas Cramer gab diese harte, kompromisslose Haltung Anlass zur Sorge: Wird der junge Herrscher tatsächlich eine freie Religionsausübung gestatten, oder wird er versuchen, auch in Böhmen die Lehre des Calvinismus durchzusetzen? Die Sorge des Bürgermeisters erwies sich als berechtigt: Der Fanatismus seines Hofpredigers war einer der wichtigsten Gründe für das Scheitern Friedrichs V. als böhmischer König.

Bereits im Dezember begann man, im Prager Veitsdom die religiösen Kunstschätze zu entfernen oder zu vernichten. Sogar der berühmte Marienaltar von Lucas Cranach wurde zerstört. Diese Ereignisse führten zu einer großen Empörung unter der Bevölkerung Prags, denn dies wurde als Gotteslästerung empfunden - und es konnte nur mit Wissen und Billigung des Königs geschehen sein. Es ging sogar das Gerücht um, dass die Calvinisten das Grab des heiligen Wenzel aufbrechen wollten.

Wenig später beklagte sich Friedrich, dass seine Befehle nicht mehr ausgeführt würden. Aus Furcht, noch weiter an Ansehen zu verlieren, versuchte er die Schuld auf andere abzuwälzen.

Während der neue König hier mit fanatischem Glaubenseifer die Bürger vor den Kopf stieß, wurde ein anderer Vorfall als Gotteslästerung empfunden: Im ganzen Land war man entsetzt darüber, dass der König vor seiner Gemahlin und deren Hofdamen nackt in der Moldau badete. Damit verlor Friedrich die Achtung und das Vertrauen seiner Untertanen. Schon zu dieser Zeit erhielt der neue böhmische Herrscher den Spottnamen "Winterkönig". Das Scheitern seiner Regentschaft war bereits vorhersehbar.

Bei der Schlacht auf dem Weißen Berg, am 8. November 1620, siegten die Kaiserlichen Truppen schon nach zwei Stunden. Friedrich, der sich zu dieser Zeit auf der Prager Burg aufgehalten hatte, konnte nur noch das eigene Leben, durch Flucht ins Ausland, retten. (gjb)
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