Fantasie anregende Speisen
Bräislboad, Daounfingerler und andere ausgefallene Kartoffelgerichte

Die Viefalt an Kartoffelgerichten ist in der Oberpfalz enorm. Nicht immer müssen die Erdäpfel vor dem Kochen geschält werden. Bild: NT-Archiv
Der Variantenreichtum der traditionellen Kartoffelgerichte in unserer Region ist, sowohl was die Zubereitungsart als auch was die dialektalen Bezeichnungen dafür betrifft, sehr ausgeprägt. Vier besonders ausdrucksstarke und durchaus recht "exotisch" klingende Beispiele sind Bräislboad, Daounfingerler, Gensgnej und Gnolnbräischobberler. Es sind vor allem die nordbairischen Zwielaute äi, oa, aou und ej (= so genannter gestürzter Diphthong), die für eine expressive Klangfülle sorgen. Für drei dieser Wörter lassen sich adäquate standardsprachliche Entsprechungen ableiten, nämlich "Bröselbart", "Totenfingerchen" und "Gänseknie". Ihre Wortbildung ist an das Aussehen der jeweiligen Speise angelehnt.

Aber nicht nur diesbezüglich bestehen Unterschiede zwischen den einzelnen Gerichten. Für den Bräislboad zum Beispiel kocht man Kartoffeln mit der Schale und lässt sie erkalten. Danach werden sie abgeschält und durch die Kartoffelpresse gedrückt. Die dabei entstandene Masse wird mit Mehl verrührt, so dass ein bröseliger Teig entsteht. Die Brösel werden mit etwas Salz vermischt und in einer gefetteten Reine im Rohr goldbraun gebacken.

Für die Daounfingerler, früher ein sogenanntes Arme-Leute-Essen, dagegen werden geriebene Kartoffeln mit Roggenmehl vermischt, gesalzen und mit einem verrührten Ei zu einem glatten Teig geknetet. Aus diesem werden dünne Rollen geformt, von denen kleine Stücke abgeschnitten werden. Diese werden zu beiderseitig spitzen dünnen Nudeln gewalzt, die in kochendes Salzwasser gelegt werden. Dann löst man sie mit einem Kochlöffel vom Boden des Topfes und lässt sie zehn Minuten sieden. Zuletzt werden sie mit einem Seiher herausgehoben, mit kaltem Wasser übergossen und mit Sauerkraut verzehrt. Der eigenwillige Name dieser Speise stammt neben ihrer Form von ihrer bläulichen Farbe.

Für die Gensgnej wiederum werden gekochte Kartoffeln so lange mit Mehl und Salz vermengt, bis ein fester Teig entsteht. Daraus werden Würstchen gedreht und davon etwa zwei Zentimeter lange Scheiben abgeschnitten. Diese werden in einer Pfanne in heißem Fett gebacken.

Für die Gnolnbräischobberler schließlich kocht man Salzkartoffeln, gießt sie ab und stampft sie. Unter die heiße Masse wird soviel Mehl gemischt, dass sich ein gut zu verarbeitender Teig ergibt. Daraus werden ebenfalls kleine Würstchen geformt und in einer Pfanne mit reichlich erhitztem Fett unter mehrmaligem Wenden knusprig gebacken. Als eine ergiebige Fundgrube für Liebhaber derartiger kulinarischer Köstlichkeiten erweisen sich vom Buch- und Kunstverlag Oberpfalz oder vom Bezirk Oberpfalz herausgegebene Kochbücher. (slu)

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/dialekt
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