Fasching ist positiver Stress

Das Leben genießen, sich auf die schönen Dinge freuen: Mit solchen Worten lässt sich der Fasching umschreiben. Prinzenpaare wollen Mut dazu machen. Einiges spricht dafür, dass die Michelfelder Hoheiten diese Aufgabe bestens erfüllen werden.

Passend zu deren Faschingsmotto "Royal oder einfach nur blau" stehen Bernhard I. und Verena I. als Neulinge in den Startlöchern. Das sympathische Prinzenpaar wartet auf den ersten großen Auftritt vor heimischem Publikum morgen und ist richtig gespannt. Die SRZ traf das Ehepaar Ziegler in Zivil und unterhielt sich mit den beiden über Fasching, Kameradschaft und den Genuss des Lebens.

Seit knapp zwei Jahren sind Bernhard (32) und Verena (30) verheiratet. Der gebürtige Nasnitzer und die aus Trockau stammende Prinzessin kennen sich schon aus der Kinderzeit. Beide haben die Realschule in Pegnitz besucht, verloren sich danach aber aus den Augen. Erst vor sechs Jahren funkte es dann richtig - und zwar im Music-Center in Trockau.

Schon ein "alter Hase"

Zu dieser Zeit war Bernhard schon ein "alter Hase" in Sachen Karneval. Seit knapp 20 Jahren mischt er bei den Michelfeldern mit. Eine Musikgruppe hat er begleitet, tanzt aktiv im Männerballett. Seine Prinzessin Verena betätigte sich eher im Hintergrund; schminkte zum Beispiel das Männerballett mit.

Vor zwei Jahren fragte die Faschingsgesellschaft schon mal bei beiden an, ob sie das Zepter übernehmen würden. Damals ging es aus beruflichen Gründen nicht. Doch heuer ließen sich die Zieglers nicht lange betteln. Seit 11.11. regieren sie die Michelfelder Narrenschar. Beide schätzen vor allem Kameradschaft und Zusammenhalt in der Faschingsgesellschaft: "Es passt einfach alles, eine tolle Führung, ein gutes Team."

Neben seiner Arbeit als Maschinenbautechniker im Verkauf pflegt der Prinz privat noch einige Hobbys außerhalb des Faschings: Er spielt Fußball beim ASV Michelfeld, bläst das Tenorhorn bei Egidius in Gunzendorf und ist begeisterter Spanferkel-Brater. "Ich habe dafür sogar einen eigenen Grill", schmunzelt er stolz.

Zeit für diese Hobbys bleibt aktuell allerdings nicht viel, da das Paar gerade ein Eigenheim in Nasnitz baut. Das war zunächst gar nicht so einfach, denn man musste erst das Landratsamt überzeugen, dass das neue Heim behindertengerecht werden soll.

Schockierende Diagnose

Das hat seinen Grund - die lebenslustige Prinzessin Verena hat kein einfaches Schicksal: Mit 16 Jahren erkrankte sie an Multipler Sklerose (MS). Zuerst spürte sie Taubheitsgefühle, sah manchmal doppelt.

Nach einer Odyssee zu verschiedenen Ärzten bekam Verena drei Jahre später dann die Diagnose: "Das war erst einmal ein Schock. Du denkst sofort an ein Leben im Rollstuhl", erinnert sie sich.

"Doch MS ist die Krankheit mit 1000 Gesichtern", erklärt die amtierende Prinzessin. Dank verschiedener Therapien, Medikamente und der regelmäßigen Behandlung im MS-Zentrum Hohe Warte hat sie nun alles gut im Griff. "Ich habe keine Ausfälle. Bei Schüben erhalte ich Cortisondosen, aber bisher konnte ich mich immer gut regenerieren."

Dabei hilft ihr ein unbändiger Wille und die Lust am Leben, die sie beim Gespräch mit blitzenden Augen spüren lässt. "Sicher gab es auch Tiefschläge, ich war schon oft im Tal. Aber man muss eine positive Einstellung zum Leben haben, sich auf die schönen Dinge freuen."

Deshalb hat sie nicht gezögert, das Amt der Faschingsprinzessin anzunehmen: "Das ist für mich positiver Stress." Die Familie steht hinter ihr, und auch die Kollegen gratulierten zum närrischen Amt. Die gelernte Schauwerbegestalterin arbeitet als Bürokauffrau. Um sich die nötigen Pausen zu gönnen, hat Prinzessin Verena für die Montage nach den Faschingswochenenden Urlaub beantragt. Mit viel Bewegung an der frischen Luft - sie macht Nordic Walking - und ihrer positiven Lebenseinstellung will sie die stressige Narrenzeit meistern.

"Man darf nie aufgeben und muss immer nach vorne schauen", lächelt sie und hofft, dass ihre Einstellung vielleicht auch anderen ein Ansporn sein könnte. "Wenn es mir schlecht geht, dann stelle ich mich vor einen Spiegel und lache."

Prost mit royalem Bier

Viel zu lachen erwarten sie von den Prunksitzungen in den kommenden Wochen. "Die Leute sollen sich auf eine gute Sitzung freuen, mitfeiern und Stimmung machen", wünschen sich Bernhard und Verena. Auf das Motto haben sich die Hoheiten ganz speziell eingestellt. Sie präsentieren ein "Royales Bier", dass es so nur bei den Michelfelder Prunksitzungen zu trinken gibt. (Seite 28)
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