Fast 100 Jahre tot

Einen "sehr großen Spannungsbogen" durchlebte Ludwig Nerb während dieser Kriegsgräber-Reise - auch wenn die beiden gefallenen Verwandten nun schon knapp 100 Jahre tot sind und er sie selbst nie kennenlernen durfte. Da spielen dann durchaus Emotionen mit, etwa wenn der Oberstudienrat sinnierte: "Leonhard Nerb und Johann Nerb, weil ihr hier gefallen seid, bin ich jetzt hier." Wie nahe einem das Auffinden der letzten Ruhestätten von Verwandten gehen kann, das verdeutlichte er, als er erzählte, was ihn eines Abends nach dem Besuch der zwei Gräber im Hotelzimmer bewegt hat: "Da hab' ich mir vorgestellt, wie das wäre, wenn beide jetzt zur Tür hereinkämen. Ich würde sagen, hockt's euch nieder, lasst uns reden."

Weil diese ganz persönliche Überlegung für immer ein Traum bleiben wird, griff Ludwig Nerb an den Gräbern zu einem kleinen Schaufelchen und grub nach Erde - Erde, die er in zwei Gläser füllte, quasi als Erinnerung an Leonhard und Johann Nerb: "Die stelle ich daheim auf das Regal, in dem sich die Sterbebilder befinden."

Was den 48-Jährigen im Verlauf der Fahrt ebenfalls bewegt hat, ist die Tatsache, wie schnell die bunt gemischte Gruppe sich untereinander verstand. Das liege wohl daran, dass die meisten ähnliche Interessen hatten: Sie wollten Gräber von Angehörigen suchen, an Orten, an denen sie selbst noch nie vorher waren. "Und wenn dann noch ein spontanes Vater unser gesprochen oder das Lied vom guten Kameraden angestimmt wird, dann berührt einen das schon sehr tief." (ben)
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