Fast das ganze Geld verbrennt

Autorin Heidi Kurz (Zweite von links) erhielt bei ihrer Buchvorstellung "Geschichte und Geschichten aus und um Königstein" viel Anerkennung und Lob von Dekan Karlhermann Schötz, Herausgeber des Eisengaus Dieter Dörner und von Bürgermeister Hans Koch (von links). Im Hintergrund die Ossinger-Musikanten. Bild: aja

"Geschichte zu erforschen ist schon immer meine große Leidenschaft", betonte Pfarrerin Heidi Kurz, die soeben ihr drittes Buch mit dem Titel "Geschichte und Geschichten aus und um Königstein" fertiggestellt hat. Sie las auch gleich selbst einige Kostproben aus dem gelungenen Werk vor.

Erschienen ist das Buch in der heimatkundlichen Reihe Der Eisengau als Band 43, der erstmals in Farbe gedruckt wurde. Seine Vorstellung umrahmten die Ossinger-Musikanten.

14 Kapitel

Allgemein gliedert sich das Buch in 14 Kapitel, die sich mit Themen wie Grenzdörfer, Wirtshäuser, alte Berufe, Bräuche, Mundarten, Schicksale, Lausbuben-Geschichten und mehr befassen. Besonders ausführlich wird Hannesreuth, "das ganz andere Dorf", behandelt. Kurz merkte an, dass sie keinerlei Verdienste an dem Buch habe. "Ich habe es einfach für Königstein getan, weil es mir das wert ist", verkündete die Autorin freudig. Eine Lesung befasste sich mit einer Wirtin mit ganz besonderer Note. Die Geschichte handelte von dem Lunkenreuther Gasthaus, in dem die Wirtin für ihr Geld stets ausgeklügelte Verstecke gesucht hat. "Einmal packte sie eine Tasche voll Geld in die Röhre des Kachelofens", las die Pfarrerin vor.

Als dann 1958 das Nachbarhaus niederbrannte und die Feuerwehrler nach getaner Arbeit durch die Nässe stark froren, heizte Wirt Konrad unwissend den Ofen an. Entsetzt rannte die Wirtin heim und es kam "eine völlig verschmorte Tasche zum Vorschein. Das Geld war zwar leicht angesengt, aber immer noch brauchbar", mit dieser Feststellung endete die erste von insgesamt 70 Geschichten der Verfasserin.

Um den Wissensstand der Marktgemeinde zu testen, stellte sie drei christliche Sprichwörter und drei Mundart-Ausdrücke vor. So bedeutet "Aferl is niard koutscha" beispielsweise: Die alte Frau fühlt sich nicht wohl. Landrat Richard Reisinger war tief beeindruckt und lobte Kurz, die im Dienste der Heimatgeschichte und Forschung agiert habe. "Dass ein Band einem Ort gewidmet wurde, ist keine Selbstverständlichkeit", so der ehemalige Klassenkamerad der Autorin weiter. Bürgermeister Hans Koch freute sich über das zahlreiche, interessierte Publikum, welches dieses Buch zu schätzen wisse. "Ich hätte nicht gedacht, dass selbst ich als Kohleschipper in dem Band erwähnt werde. Ich denke, auch der ein oder andere wird sich darin wieder finden", sagte er schmunzelnd.

"Kollektives Gedächtnis"

Dekan Karlhermann Schötz meinte: "Es ist schön, viele bekannte Gesichter an einem anderen Ort als in der Kirche zu sehen." Mit einem biblischen Vergleich stellte er klar, dass man nicht rückwärtsgewandt Leben kann, aber man dennoch an Vergangenes denken kann, beziehungsweise sich erinnern muss. "Der Eisengau ist für mich ein kollektives, gemeinsames Gedächtnis", betonte er.
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