Fast schon echte Oberpfälzer

Fünf Kinder, die gerne in die Schule gehen, Fußball spielen und sich mit Freunden treffen. Ganz normal also.

Floß. (esc) Nicht normal ist, dass sich die Brüder Mayis und Ruben, die Geschwister Mansur, Zalina und Movsar, ihre Eltern und zwei weitere Pärchen eine Küche mit Esszimmer und zwei Bäder teilen. Zwangsweise bilden sie eine Multikulti-Wohngemeinschaft in der Unteren Bachgasse. Ihre Heimat ist Armenien, Tschetschenien, Albanien und Weißrussland. Sie alle sind Asylbewerber.

Ein Zimmer für eine Familie

Die Brüder Mayis und Ruben fühlen sich in Floß wohl. Ruben geht in den Kindergarten, sein älterer Bruder in die zweite Klasse. Sein Lieblingsfach: "Mathe g'fallt mir besonders guat", sagt der Siebenjährige mit einem Hauch Oberpfälzisch. Er, sein Bruder und die Eltern flohen aus Armenien. Die Familie war zunächst für einige Zeit getrennt.

Mayis, Ruben und Mama Anahit sind seit Juli 2014 in Floß. Papa Artur landete zunächst in Scheßlitz bei Bamberg. Zwar besuchte ihr Ehemann sie und die Kinder, erzählt Anahit. Er durfte aber nicht bei seiner Familie wohnen. "Wir haben es aber dann doch geschafft, dass Artur nach Floß kommen konnte", erzählt Rosemarie Fleischer, die sich um die Asylbewerber kümmert (wir berichteten). Seit Dezember ist die Familie wieder vereint. Die zwei Kinder und die Eltern teilen sich ein Zimmer: "Dort stehen ein Hochbett für die Kinder und ein Bett für die Eltern sowie ein Schrank und der Rest ihres Besitzes", weiß Fleischer. Artur war in der Heimat als Manager tätig und arbeitet seit kurzem als Handwerker bei Firma Bock in Gösen. Anahit hat in Armenien Politikwissenschaft studiert, "aber nur bis zum ersten Diplom", erzählt sie. Dann hat sie einen anderen Weg eingeschlagen: Sie machte eine Kosmetik-Ausbildung.

"Die zwei Jungs haben sich hier schon gut eingelebt", freut sich Fleischer. "Wir haben schon viele Freunde gefunden", sagen sie. Auch beim Sport: Mayis ist Fußballspieler. "Ich hab' schon viele Tore geschossen", erzählt er stolz. Auch Mansur ist ein richtiger Sportler: Er spielt nicht nur Fußball, sondern auch Faustball. "Mir tun die Arme schon weh", gesteht er mit einem Grinsen. Spaß macht es ihm aber trotzdem. Skateboard- und Fahrradfahren stehen bei dem Zehnjährigen hoch im Kurs. Wenn es schön ist, radelt er zu seinem Freund, und die beiden machen eine Fahrradtour. Sein Lieblingsfach? "Mathe", sagt auch er wie aus der Pistole geschossen.

Bald sechs Kinder?

Seine Schwester Zalina kommt so um halb fünf von der Schule nach Hause. Sie besucht das HPZ in Irchenrieth. Was ihr am besten an der Schule gefällt? "Heimat- und Sachkunde", verrät die Neunjährige. Der sechsjährige Movsar kommt heute nicht vom Fernseher weg. "Da kommt was mit Drachen", erklärt sein Bruder Mansur lachend. Für das Foto setzt der Sechsjährige dann aber doch sein schönstes Lächeln auf und zeigt seine Zahnlücken. Die Eltern der drei, Toita und Sulumbek, flohen aus Tschetschenien. Toita ist Hausfrau, Sulumbek arbeitet bei der Firma Gollwitzer in Floß.

Vor zwei Wochen musste die Wohngemeinschaft näher zusammenrücken: Die Albaner Adelina und Abdullah kamen in Floß an. Adelina ist im fünften Monat schwanger. "Es wird ein Mädchen", ist sie stolz. "Was wird die Zeit für diese Menschen bringen?", fragt sich auch ihr Schutzengel Rosemarie Fleischer sorgenvoll. Die Familien wünschen sich nichts sehnlicher, als sich zu integrieren, Ruhe und Arbeit.
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