Feiern auf Vermutung

Der wichtigste Hinweis auf ein Gründungsdatum des SPD-Ortsvereins findet sich auf einer Urkunde für Valentin Kuhbandner senior. Diese hatte er 1955 für 40-jährige Treue "seit dem 1. Juni 1915" erhalten. Repro: bkr

Die Vergangenheit des SPD-Ortsvereins liegt zu einem großen Teil im Dunkeln. Nur vermutet werden kann das Datum seiner Gründung. Das was unter dem nationalsozialistischen Regime nicht vernichtet wurde, landete 1968 oder 1969 in der Mülltonne.

Immenreuth. (bkr) Die Sozialdemokraten können deshalb am Samstag bei ihrer Feier zum 100. Jubiläum im Sportheim lediglich auf mündliche Aussagen, eine Ehrenurkunde und auf Zeitungsartikel zurückgreifen. Gesichert zu sein scheint die Tatsache, dass Glasbläser aus Warmensteinach die SPD in Immenreuth ins Leben gerufen haben.

Gründer Glasarbeiter

Ihre Gründungsmitglieder hießen nach mündlicher Erzählung Weber, Prokisch, Köferl und zweimal Reichenberger. Nur eine Urkunde für 40-jährige "bewiesene Treue und Mitarbeit" liegt vor. Sie wurde 1955 an den Genossen Valentin Kuhbandner senior, dem Vater des späteren Landrats und Landtagsabgeordneten Valentin Kuhbander verliehen. Die Gründungsmitglieder dürften allesamt in der damaligen Glasfabrik Trassl gearbeitet haben, die in Warmensteinach beheimatet war und nach Immenreuth verlegt wurde.

Das vermutete Datum der Gründung am 1. Juni 1915 könnte, so Peter Merkl, der von 2003 bis 2007 die Geschicke des Ortsvereins gelenkt hat und von 1996 bis 2014 Bürgermeister war, mit dem am gleichen Tag in Kraft getretenen Deportationsgesetz zusammenhängen. Von Valentin Kuhbandner senior ist auch bekannt, dass er bei der Wiedergründung 1947 der erste Vorsitzende nach dem Krieg war. Wie lange? Auch hier ein Fragezeichen.

Aufzeichnungen ab 1969

Auf Kuhbandner folgten Franz Forster, Valentin Kuhbandner junior und Alfons Weber. Über ihre Amtsperioden existieren eben so wenig gesicherte Unterlagen. Erst ab 1969, als Christof Engelbrecht die Verantwortung übernahm, stehen wieder zuverlässige Aufzeichnungen zur Verfügung.

Bis zu diesem Tag fußt die Geschichte auf den mündlichen Überlieferungen des verstorbenen Fritz Schörner. Er war von 1963 bis 1978 Rathauschef. Zu den herausragenden Persönlichkeiten des Ortsvereins gehörte zweifelsohne Valentin Kuhbandner junior. Er wirkte von 1958 bis 1966 als Landrat des Altlandkreises Kemnath. Anschließend vertrat er den Wahlkreis bis 1978 im Bayerischen Landtag.

Einen unbedingten Platz in der jüngeren Chronik der Sozialdemokraten haben die jahrelang organisierten Veranstaltungen wie Kinderfasching, der Fasching für Jung und Alt und das Starkbierfest. Aktiv zum Vereinsjahr in der Gemeinde gehört weiterhin die Kinderolympiade. Von ihr schwärmte sogar die ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Renate Schmidt, bei der 25. Jubiläumsveranstaltung 1997.

Wenn der SPD-Ortsverein in den vorhandenen Unterlagen blättert, taucht Ludwig Stiegler regelmäßig auf. Aber auch die ehemalige Familienministerin Antje Huber sowie der frühere Bundesminister und -vorsitzende Hans-Jochen Vogel trugen sich in die Besucherliste ein.
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