Feindbild Bürokraten: Bauernverband übt schwere Kritik an praxisfernen Vorgaben
"Sonst könnt man's glatt verstehen"

"Unverständlich und praxisfern": Fast leitmotivisch prägte dieses Wortpaar die Gebietsversammlung des Bayerischen Bauernverbands (BBV) für Pressath, Trabitz und Neustadt am Kulm im Gasthof Lober. Ob Düngeverordnung, Junglandwirteprämie, Anbaudiversifizierung oder die Richtlinien zur Ausweisung ökologischer Vorrangflächen: Selbst erfahrene Agrarfachleute wie BBV-Kreisvorstandsmitglied Christian Pschierer und Kreisgeschäftsführer Hans Winter hatten für manche Neuregelung nur Kopfschütteln übrig.

"Es muss alles etwas kompliziert sein, sonst könnte man's ja glatt verstehen", ironisierte Winter etwa die geplanten Vorschriften für die Junglandwirte-Basisprämie. Diese solle Jungbauern unter 40 Jahren nicht mehr bedingungslos für fünf Jahre ab Prämienantrag gewährt werden. Vielmehr solle die Frist zwischen Betriebsübernahme und Antragstellung auf diese Zeitspanne angerechnet werden. Solche und andere Spitzfindigkeiten, die nach Winters Urteil ihre Herkunft "vom grünen Tisch" verraten, glossierte mancher der rund 50 Besucher oberpfälzisch-lapidar: "A Schmarrn."

Auch Christian Pschierer bedauerte derlei "Komplikationen": "Aber der Stand der Dinge ist nunmal so." Vieles sei im Fluss, weshalb die Bauern gut daran täten, zweierlei zu beherzigen: "Haltet euch auf dem Laufenden und sagt den Politikern, was ihr für fragwürdig haltet." Dies gelte auch für die neuen Düngevorschriften, die Hans Winter als "Investitionsprogramm für die Düngemittelindustrie" charakterisierte, weil der Grenzwert von 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar nur organischen Dünger betreffe: "Kunstdünger zählt nicht." So werde "unser guter Wirtschaftsdünger zum Abfall kaputtgeredet".

Pschierer ergänzte, mit diesem Richtwert würden alle Landwirte für die Gülledüngung in einzelnen nordwestdeutschen "Schweinehochburgen" bestraft. Kritik übte er außerdem an der "Reglementierung fast jeden Handgriffs" und den Sperrfristen für die Herbstdüngung: "Immerhin konnte hier aber manches nachgebessert werden, und wir hoffen auf weitere Korrekturen." Dieser Hoffnung schloss sich Winter an.

In eine "Riesenrechnerei" arten nach Pschierers Worten auch die ab 2015 zu beachtenden "Greening"-Direktiven aus. Dies gelte etwa für die Pflicht zur Ausweisung "ökologischer Vorrangflächen" wie Feldrandstreifen oder zur "Anbaudiversifizierung", also zur Einhaltung bodenschonender Fruchtfolgen.

Doch sah er im neuen Agrarrecht auch positives, etwa bei "Zahlungsansprüchen nur noch für aktive Landwirte: "Früher konnten auch Golfplatz- oder Flugfeldbetreiber Anträge stellen." Zum "Greening" ließ Kreisgeschäftsführer Winter wissen, dass der BBV ab Januar Beratung und am 30. Januar Fachvorträge in Weiden und Vohenstrauß anbiete.
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