Ferienstammtisch der Reservisten: 70 Jahre nach Kriegsende Buch thematisiert
"Leitfaden für britische Soldaten"

"Wenn Sie deutschen Zivilisten Befehle erteilen müssen, äußern Sie diese in strengem, militärischen Ton. Der deutsche Zivilist ist daran gewohnt und erwartet nichts anderes." Die Anweisung enthält der Leitfaden für Britische Soldaten in Deutschland von 1944. Die Inhalte der "Instructions for British Servicemen in Germany 1944" stellte Walther Hermann beim Ferienstammtisch der Reservistenkameradschaft vor.

Der 59 Seiten umfassende Leitfaden sorgte 70 Jahre nach Kriegsende für regen Gesprächsstoff. In den Vorbemerkungen des Leitfadens sind unter anderem Leserbriefe aus der "British Zone Review" enthalten. Sergeant R.J. Dolamore schrieb: "Wir alle wollen einen nächsten Krieg in der Zukunft verhindern, und die einzige Möglichkeit besteht darin, den Deutschen beizubringen, dass sich Krieg nicht auszahlt. Das sollten wir aber niemals tun, indem wir Mitleid für sie aufbringen. Lasst sie für die nächsten zehn Jahre das ganze Elend erleiden, und erst dann wird die Lektion in ihre Dickschädel dringen."

Der Leitfaden enthält zwölf Kapitel, in denen der britische Soldat über Land, Geschichte, Bevölkerung, Kriegsfolgen und Verhaltensregeln informiert wird. Er erfährt, dass das deutsche Straßensystem zu den besten Europas gehörte und der Bau "hunderter erstklassiger Straßen, sie werden Autobahnen genannt", weitgehend militärisch war. Das interessanteste an der deutschen Geschichte sei, dass Deutschland als Nation bis 1871 gar nicht existierte. Zum Übel des Militarismus und der Aggressivität zählen die Verfasser den Erwerb von Kolonien und den Bau einer Kriegsflotte: "Sie provozierten die britische Seemacht." Sie fanden Anzeichen dafür, "dass die deutschen Führer bereits wieder Pläne für einen Dritten Weltkrieg schmieden".

In dem vom Foreign Office herausgegeben Leitfaden finden sich Abhandlungen über Ess- und Trinkgewohnheiten. Es wird von vielen Alkoholsorten berichtet, "die Schnaps genannt werden ... die billigeren Sorten verbrennen einem die Kehle". Den Deutschen wird bescheinigt, dass sie erst seit den letzten 30 Jahren Sport treiben und die "meisten Sportarten von uns lernten".

Die Letzten Zeilen lauten: "Das Leben in Deutschland wird ständig Ihre Wachsamkeit, Alarmbereitschaft und Ihr Selbstbewusstsein erfordern. ... Je gründlicher wir jetzt sind, desto eher vermeiden wir zukünftigen Ärger."
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