Filmemacher Wolf Gaudlitz stellt im Schafferhof eine unterschätzte Weltregion vor
Wüste Abenteuer

Auch wenn es hier nicht so aussieht: Wolf Gaudlitz weiß sich auch in entlegenen und gefährlichen Gegenden zu helfen. Repro: gag
Eine leere Plastikflasche tanzt im Wind. Er treibt sie über den trockenen Sandboden, lässt sie springen, rollen, sich überschlagen. Bis ein leerer Plastikbecher sie plötzlich keck überholt. Lange Kameraeinstellungen, genaue Beobachtung von Details, kritisches Hinsehen. Dieser Film von Wolf Gaudlitz ist zugleich poetisch und nüchtern, schwärmend und anklagend. "Sahara Salaam" heißt er, eine Liebeserklärung an diese Wüste, an Algerien und Niger, an die Tuareg und ihre Lebensweise.

Zoigl gegen Kobragift

Zugleich machte der Dokumentarfilm die obere Zoiglstube des Schafferhofs erstmals zum Kino, für das sich allerdings nur 25 Zuschauer interessierten. Ihnen erzählte der Regisseur, Kameramann, Autor und Abenteurerer vor dem Film aus seinem Leben. Zum Beispiel, dass er gerade aus den Tropen kommt und sich noch vom Biss einer schwarzen Kobra erholen muss. "Zur Zoiglkur nach Neuhaus" witzelte ein Zuschauer.

Offen, herzlich und leger präsentierte sich der Filmemacher des Bayerischen Rundfunks. Sein Titel "Taxi Lisboa" war in den Kinos etlicher Länder ein Erfolg. Doch wie kommt der Weltenbummler ausgerechnet nach Neuhaus? Daran seien seine langjährige Freundschaft mit Stefan Reiter von der Firma Hatico,, die Heirat mit einer Neualbenreutherin und die verrückte Künstlerszene der Region schuld.

Gewagte Einblicke

Zehn Jahre, von 2001 bis 2011, drehte er in der Sahara zwischen Tunis und Timbuktu. In dieser langen Zeit beobachtete er mit der Kamera die Entwicklung von Land und Menschen. Dabei bewegte er sich oft am Rande der Legalität, ohne offizielle Dreherlaubnis. Filmen ist in vielen Gegenden verboten. Das Militär beobachtete ihn, immer wieder kam er gerade noch davon.

Groß kam er vor allem in entlegenen Dörfern raus, wo er auf Großleinwand Kinoatmosphäre in die Wüste brachte. Im Koran noch als "Rückzugsgebiet Allahs" bezeichnet, ist die Sahara heute geprägt von Waffen-, Drogen- und Menschenschmuggel, von Terrorismus, Geiselnahmen und Sperrgebieten zur Uran-, Erdöl- und Gasgewinnung oder Bodenschatz-Ausbeutung.

Immer wieder beeindruckende Bilder, spontane Szenen, überraschende Wendungen. Gebannt beobachteten die Zuschauer, wie ein Tuareg nach einem schnellen Ritt auf seinem Kamel, Gaudlitz' 12-Tonnen-Lkw startete, nachdem der Anlasser kaputtgegangen war. Beeindruckende Filmmusik, wie die "Sahara Symphonie" von Dirk Haubrich, tut ihr Übriges, um die Szenen unvergesslich zu machen.

Fünf bunte, tanzende Tuareg mitten in der Wüste, weil Gaudlitz ihnen spontan Musik vorspielte. Unerwartete Szenen, voller Farbe, Gelassenheit und Ausstrahlung. Wolf Gaudlitz ist irgendwie überall zu Hause. Er arbeitet für den BR in München, lebt in Sizilien, ist trotzdem fast das ganze Jahr unterwegs, um Menschen, Gegenden und die Natur mit seiner Kamera einzusammeln. So manche Ehe ist bei diesem Nomadenleben schon gescheitert. Er kann es nicht lassen. Seine überschwängliche Erzählweise zeigt: Das ist sein Leben.
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