Finale ganz ohne Steckdose

"Servus. Mia warn scho mal da". So begrüßte Sebastian Horn (Vocals, Bass) kurz und trocken das Publikum in der eng bestuhlten Schafferhof-Tenne. Freie Plätze gab es dennoch keine.

(gag/ui) Trockener Humor, gemischt mit einer tiefen, variantenreichen Stimme, ist Horns Erkennungszeichen. Begleitet von Peter Horn (Gitarre) und Florian Rein (Schlagzeug) wollten die Bananafishbones unplugged spielen. Deshalb ihr Wunsch nach Stühlen auch für das Publikum in der Tenne.

"Mitgrooven könnt Ihr das nächste Mal wieder, wenn wir plugged kommen", konterte das Trio beim CD-Verkauf nach zweieinhalb-Stunden Auftritt die Frage, warum die Zuhörer sitzen mussten. "Die Gäste sind konzentrierter und wir können musikalisch einiges reinpacken", lautete die Begründung.

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Ob Einspielungen von Bläsern und Synthesizern dem Akustik-Charakter des Konzerts ohne allzuviel Hilfe aus der Steckdose entsprechen, diskutierten die Zuhörer nach dem Ende ebenfalls. Ausgereifter als in Schlagzeuger-plus-zwei-Gitarristen-Besetzung klingt das Konzept auf der im Januar erschienenen CD zur Tour "Live & Unplugged im Kurhaus Bad Tölz" zusammen mit Streichern.

Pünktlich startete das Trio auf der Tenne, obwohl es für die Oberbayern gar nicht so leicht zu sein scheint, sich in der Oberpfalz zurecht zu finden. "Nach dem Abendessen in Windischeschenbach haben wir uns verfahren", gestand Sebastian, um mit einer seiner teils abstrusen Geschichten fortzufahren, die er zwischen den Songs erzählte.

Etwa von den Fischstäbchen, zu denen kein Ketchup zu Hause war. Nochmals in den Supermarkt. Eine nervöse alte Dame vor ihm an der Kasse mit der gewaltigen Kopfbedeckung. Es dauerte lange, die Dame wurde immer nervöser, fiel schließlich in Ohnmacht. Aus dem Riesenhut kullerte ein gefrorenes Hendl. "Die Verkäuferin meinte nur 'die hat an Vogel'". Das Publikum amüsierte sich köstlich, während die Band das daraus entstandene Lied "Smart" anstimmte.

Die Bananas spielen seit fast 25 Jahren in großen Hallen ebenso wie Open Air, im Kurhaus oder gerade im Winter unplugged in kleinen Clubs. Sie sind frech, witzig oder überraschend. Eingängige Rythmen und oft monotoner aber dennoch spritziger Gesang sowie immer wieder überraschenden Einsprengsel und Wendungen, wie die, bei der Rein zum Glockenspiel greift, sind ihre einprägsamen Markenzeichen. Die Fans erweisen sich generationenübergreifend als textsicher.

"Rumblefish", "Lost", Strawberry Ice Cream Dream", "Palmers" und natürlich "Easy Day", die Liste der bekannten Songs ist lang, viele würden zum Tanzen einladen, auch in der Akustik-Version. Humorvoll demonstrierte Sebastian, wie simpel der Westernrhythmus ist. Nach einer Überleitung von "We love Country Music" glitt er nach ein paar Akkorden in Songs von Johnny Cash über. "I walk the line" und "Ring of fire" passten super zu seiner Stimme, die er gleich noch ein paar Töne tiefer klingen ließ.

Doppelte Zwillinge

"Wir sind eine kinderreiche Band", behauptete Sebastian. Er habe fünf Sprösslinge, davon zweimal Zwillinge. Die Sprüche aus Kindermund fand er herrlich. "Child" sang er, und "enjoy yourself, take only what you need". Aufgelockert wurde das Programm durch Coversongs wie "Road to nowhere" von den Talking Heads oder "Such a Shame" von Talk Talk.

Neben der im Vorweihnachtskonzert 2014 aufgenommenen Live CD hatten sie auch den neuen Song "Honestly" dabei. Den gab es nur im Konzert zu hören. Zum Kaufen hatten sie das T-Shirt in der Merchandising-Kiste. Es ist ein Liebeslied, das Sebastian mit weicher Stimme durch den Vollbart sang.

"So coole Clubs wie hier gibt's net vui!" lobte Sebastian den Schafferhof. Der Schlussapplaus lockte die Band zu zwei Zugaben auf die Bühne. Beim letzten Stück setzte sich Florian nicht mehr hinters Schlagzeug, sondern stellte sich mit der Ukulele zu den Bandkollegen vor die Mikros an den Bühnenrand zum komplett und echten Unplugged-Finale "We are the men".
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