Fischzug ist Schwerstarbeit

Sebastian Zapf (links) und Michael Schuster hatten nicht nur die ehrenvolle Aufgabe, den leeren Geldbeutel zu tragen, sondern ihn auch vor unerlaubtem Zugriff zu bewachen. Bilder: sön (2)

Sie müssen aufpassen, dass ihn niemand stiehlt - und den Geldbeutel dann unter großer Anteilnahme eingraben. Bis es so weit ist, verrichten die Fischzügler Schwerstarbeit: Schließlich darf kein Tropfen Freibier übrig bleiben.

(sön) In Frack und Zylinder starteten die Herren am Aschermittwoch mittags beim Bärenwirt zum 40. Riedener Fischzug. Spendable Wirte stärkten sie mit Freibier, um sie den traurigen Augenblick des Geldbeutel-Eingrabens am Abend körperlich und seelisch besser überstehen zu lassen: eine anstrengende Tour.

Sie pflegen einen alten Brauch, "den schon unsere Großväter ausübten", erinnerte Stefan Fuchs, Chef und Prediger der reinen Männertruppe. Fischzug und Geldbeutel-Begräbnis seien 1975 wieder neu belebt worden. Beim Zug von Wirtshaus zu Wirtshaus sind Reden und Lachen und in den Lokalen das Pfeifen und Singen verboten. Streng achtet Ordnungsstrafen-Hüter Norbert Scharl auf die Regeln und kassiert bei Verstößen ab. Auf einer alten Misttrage wird er von den zwei Auserwählten, dem Zapf Sebastian und dem Schuster Michael, feierlich mitgetragen - der leere Geldbeutel. Auch hier tritt Scharl in Aktion: Bei Entwendung des Geldbeutels - auch das soll schon öfter vorgekommen sein - müssen seine Träger einen saftigen Obolus entrichten.

Das Freibier der Wirte inklusive des letzten Tropfens zu vernichten, ist vornehme Pflicht der Fischzügler. In allen Riedener Wirtshäusern und bei mehreren Privatstationen musste diese schwere Aufgabe erfüllt werden. Damit dies zu bewältigen ist, haben Jürgen Wendl und Reinhardt Reindl Heringe und einige Wecken Brot dabei - als Unterlage, aber auch zum Verkauf. "Hut ab zum Gebet", kommandierte Fuchs, wenn sich die Matadore des Aschermittwochs bei den Wirten und edlen Spendern der flüssigen Nahrung artig bedankten.

"Die Faschingszeit warst du mir recht. Schau ich dich jetzt an, dann wird mir schlecht", jammerten die vom Fischzug arg gestressten Mannsbilder, als es vor dem ehemaligen Rathaus ans Begräbnis des im Fasching arg geschundenen Geldbeutels ging. Der wurde mit Gejammer und lautem Heulen nach über sieben Stunden angestrengten Biervernichtens im Kerzenschein beerdigt. Mit einem Fischessen beim Bärenwirt endete das Spektakel.
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