Fitnessclub für Maskenmänner

Auch wenn sie ein bisschen aussehen wie Bösewichte vom Schlage Darth Vader: Atemschutzgeräteträger gehören zu den Guten. Sie sind die Speerspitze der aktiven Feuerwehr bei Einsätzen. Damit im Ernstfall nichts passiert, üben sie einmal im Jahr in einer Atemschutzstrecke. Bild: Hartl

Klingt fast schlüpfrig: Durch eine "heiße Tür" geht es zur "Rettungspuppe". Doch das dürfen nur Sportliche, die sich zuvor auf der Endlostreppe und am Oberkörper-Ergometer bewährt haben. Hinter diesem geheimnisvollen Inventar verbirgt sich modernste Brandschutztechnik, die in der neuen Atemschutzstrecke in Neuhaus zum Einsatz kommt.

Nachdem es erst einiges Hin und Her zwischen Neustadt und Weiden einerseits sowie dem Landkreis Tirschenreuth andererseits gegeben hat, schreitet der Bau des neuen Feuerwehr-Übungsparcours in einer Halle im Gewerbegebiet Neuhaus zügig voran. "Im Frühjahr 2016 könnte alles fertig sein", wagt Claudia Prößl vom Landratsamt eine vorsichtige Prognose.

Doch selbst wenn sich alles etwas verzögern sollte, wird die Strecke wohl weit vor dem Herbst nächsten Jahres nutzbar sein. Dieser Zeitraum war noch im Winter angepeilt. "Diese Woche geht die Ausschreibung für die Inneneinrichtung raus", erklärt Kreisbrandrat Richard Meier.

Davon abgesehen, stimmen Gerüchte über Verzögerungen nicht, weil die Halle angeblich mit Flüchtlingen belegt sei. Die Fremden wohnen zwar ebenfalls im Gewerbegebiet in einer Halle, allerdings etwas weiter weg.

Laufen, kriechen, tasten

Die Menschen hinter den Atemmasken weisen den Ausdruck wahrscheinlich bescheiden von sich, doch sie sind eine Art Eliteeinheit der Feuerwehren. Sie gehen dahin, wo es bei Einsätzen am heißesten und gefährlichsten ist. Die neue Anlage wird ihnen realitätsnah Einiges abverlangen. Die ersten Meter sind noch harmlos: Im Vorbereitungsraum bekommen die Frauen und Männer eine Sicherheitseinweisung, im Geräteraum sieht es aus wie in einem Fitness-Studio.

Nur wer dort Ausdauer und solide Belastungswerte vorweist, hat das Zeug zum Atemschutzgeräteträger. Denn erst dann darf er oder sie über die 20 Meter lange Laufstrecke und durch die ebenso lange Kriechstrecke. Die sind mit allerhand Schikanen gespickt. Bereits in der ausgedienten Atemschutzstrecke in Neustadt mussten sich die Brandschützer in einem engen Tunnel bei dichtem Qualm durch aufgetürmte Autoreifen wühlen.

Die Neuhauser Strecke hält noch einige Bosheiten mehr auf Lager: verstellbare Laufwege, Rutsche, Schwenkfenster, Pendeltür, Rolladensystem, Nebelgenerator, Lichteffekte, Audioanlage für Geräuscheffekte sowie einen Einrohrgaszähler und einen Elektroverteilerkasten. Das Szenario soll so authentisch wie möglich sein. Die Floriansjünger lernen so unter anderem, Lecks abzudichten und mittels einer "heißen Tür" zu erkennen, wie stark es im Zimmer dahinter brennt.

Messbare Erfolge

Die Kameraden im Leitstand können sämtliche voreingestellten Arbeitsmessgeräte starten und die Anlagenteile einsehen. Neu ist die gezielte Überwachung jedes einzelnen. Eine Software ruft die Leistungswerte ab. Vor Beginn der Übung erhält jeder einen Pulsgurt und einen Transponder, dessen Kennung gemeinsam mit dem Namen des Trägers im PC hinterlegt wird.

Der Atemschutzträger muss sich während der Übung mit seinem Transponder am jeweiligen Arbeitsmessgerät und am Eingang der Orientierungsstrecke einloggen. So erkennt das System, was er tut und speichert es in der Datenbank ab.

Der Atemschutz ist eines der wichtigsten Instrumente der Feuerwehr. Ohne es wäre vor allem bei Brandeinsätzen ein Innenangriff nicht möglich. Dafür gibt es sogar eine eigene Dienstvorschrift. Sie sieht eine jährliche Belastungsübung in einer Atemschutzanlage vor. Dafür werden 1600 Floriansjünger ab nächstem Jahr nach Neuhaus pilgern.
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