Flüchtlinge durch Ämter lotsen

Der 45-jährige Issam Mardeli (rechts) hat den Deutschkurs besucht und bemüht sich, in der Sprache am Ball zu bleiben. Nach dem Integrationskurs hat er eine Wohnung und eine Arbeitsstelle in Aussicht. Bild: Völkl

Eigentlich wäre das Thema "Flüchtlinge" für die Marktverwaltung mit der An- und Abmeldung erledigt. Doch kann man Menschen ohne Sprachkenntnisse einfach sich selbst überlassen? Verwaltungsleiter Stefan Falter versucht zu helfen. Aber ohne "Kümmerer" ist es nicht zu schaffen.

Wernberg-Köblitz. (cv) Im Januar kamen die ersten Flüchtlinge in die Marktgemeinde. 53 leben derzeit in Wernberg-Köblitz in vom Landratsamt Schwandorf angemieteten Häusern im Weiherner Weg, in der Weidener Straße, in der Bergstraße und am Franzosengraben. Für die Asylbewerber - 38 Syrer, 15 Kosovaren und Albaner - hat der Frauenbund eine Kleiderkammer aufgebaut. "Das läuft sehr gut", so Stefan Falter. Man fand in Maria Hirsch und Elisabeth Klein zwei pensionierte Lehrerinnen, die einen Deutschkurs gaben. Ein guter Ansatz, doch ein Kurs reicht nicht. Maria Hirsch hat eine Gruppe Syrer privat unter ihre Fittiche genommen, vermittelt ihnen neben der Sprache deutsche Gepflogenheiten und Bräuche. Doris Schöner, Dieter Rosenberg und Maria Hirsch kümmern sich kontinuierlich um die Flüchtlinge. Stefan Falter ist froh, dass die Syrer in der Bergstraße in einer engagierten Nachbarsfamilie Helfer bei Behördengängen und in mannigfaltigen Alltagsfragen gefunden haben. Viele Aufgaben auf wenigen Schultern.

Es gibt Anfragen

Bei Stefan Falter im Rathaus klopfen Unternehmer an, "die händeringend Arbeitskräfte suchen". Die Anfragen reichen vom der Reinigungskraft bis zum qualifizierten Ingenieur. Falter bringt den Mindestlohn ins Gespräch. Nicht ohne Grund: Es gab die ein oder andere unseriöse Anfrage. Die Flüchtlinge so schnell wie möglich "in Arbeit bringen", wäre Falters Ziel. Er denkt dabei auch an die künftigen Steuerzahler. Und die Kinder der Flüchtlinge würden dazu beitragen den Schulstandort Wernberg-Köblitz zu sichern.

Doch der Schritt ins Arbeitsleben ist für die Flüchtlinge eine Odyssee: "Sie kommen in den Dschungel der Bürokratie", erzählt der Verwaltungsleiter. Wer ist "nur Flüchtling", wer ist anerkannter Asylbewerber, wer ist arbeitsberechtigt? Welches Amt ist zuständig? Das Sozialamt? Das Jobcenter? Welcher Mitarbeiter ist Ansprechpartner? In Zeiten der Hotlines ist es ein zeitaufwendiges Unterfangen, an die richtige Stelle zu gelangen. Und wie kommt ein anerkannter Flüchtling, der die Unterkunft dann verlassen muss, mit bescheidenen Sprachkenntnissen ohne "Fürsprecher" an eine Wohnung? "Ohne Kümmerer geht es nicht".

Falter nennt ein banales Beispiel mit weitreichenden Folgen: Die Asylbewerber erhalten amtliche Schreiben, natürlich auf deutsch. Ist niemand da, der sie übersetzt, der Flüchtlinge zu Behörden begleitet, werden Fristen für Gesprächstermine versäumt, rückt auch der Termin für den Integrationskurs nach hinten. Erst mit ihm macht aber der Beginn eines Arbeitsverhältnisses Sinn.

Landsleute unterstützen

Um diesen Teufelskreis zu unterbrechen, sucht Falter nach weiteren Paten - für Einzelpersonen, für Unterkünfte. "Erst, wenn die Flüchtlinge die Hürde bis zum Integrationskurs genommen haben, wird sich die Lage entzerren", ist er überzeugt. Einer, der den sechsmonatigen Kurs besucht, ist Issam Mardeli. Der 45-Jährige Maschinenbauingenieur hat Wohnung und Arbeit in Aussicht. "Menschen wie Issam können dann ihren Landsleuten weiter helfen", betont Stefan Falter "und die Ehrenamtlichen wieder entlasten." Falter hätte zudem für den eigenen Verwaltungsapparat einen Wunsch. Einige zusätzliche Stunden, in denen man sich im Rathaus um die Flüchtlingsbetreuung kümmern kann.
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