Flüsterleise über den Platz

Buntes Treiben herrschte den ganzen Tag auf dem Dultplatz. Viele Interessenten sahen sich die Elektromobile aus der Nähe an und testeten sie auch gleich. Bilder: gac (4)

Noch sind die Elektrofahrer eine kleine Minderheit. Aber wenn Gerhard Kopf vom Ensdorfer Zentrum für erneuerbare Energien zum "Tag der Elektromobilität" ruft, dann kommen sie in großer Zahl, um ihre Fahrzeuge zu präsentieren.

Sulzbach-Rosenberg. (gac) Vielfältig waren die elektrischen Mobile, die sich auf dem Dultplatz präsentierten: Vom Pedelec bis zum Rennwagen, vom kleinen Modellflitzer bis zum Lieferwagen. Viele private Aussteller zeigten ihre eigenen Fahrzeuge, mit denen sie täglich zur Arbeit oder zum Sport fahren. Die Besucher bekamen also besten Einblick in die praktische Elektromobilität.

Bürgermeister Michael Göth ging mit gutem Beispiel voran und kam zur Eröffnung mit einem E-Bike angefahren, das vor kurzem als Dienstfahrzeug für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung angeschafft wurde. "Die Stadt Sulzbach-Rosenberg legt jetzt Kurzstrecken mit dem Pedelec zurück", unterstrich er in seiner Begrüßung. Die Nachhaltigkeit und die geringe Feinstaubbelastung sprächen für den Elektroantrieb. Göth wies darauf hin, dass auf der IAA dieses Jahr 30 neue elektrische Autos vorgestellt würden. Auch in der Automobilindustrie gehe also der Trend zum Elektroantrieb.

Ein Höhepunkt war auch heuer der Formula-Student-Rennwagen des "Running Snail"-Teams der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden. Gegenüber dem Vorjahresmodell ist fast alles neu. Beispielsweise sind die ohne Antriebswelle in die Räder eingebauten Antriebsmotoren mit fast 1600 Nm Drehmoment noch stärker, aber durch die Innenläuferkonstruktion um 70 Prozent leichter.

Fürs Rennen reicht's

Die gesamte Radaufhängung ist außen an der Carbon-Karosserie angebaut, um die Instandhaltung zu erleichtern. Ein Langläufer ist so ein Wagen natürlich nicht: Der 7,5 kWh-Akku ist nach gerade einmal 23 Kilometern Vollgasfahrt leer. Für das längste Rennen reicht's aber, und jede Wattstunde kostet Gewicht.

Eine andere Höchstleistung konnte am Himmel über dem Dultplatz bestaunt werden: In drei Sekunden stieg ein serienmäßiger Modellhubschrauber mit BLDC-Elektroantrieb auf 100 Meter Höhe. Das schafft ein normales Auto nicht einmal in der Waagerechten.

Alles zum Ausprobieren

Mit einem Rennfahrzeug kann natürlich nicht jeder fahren, aber die Besucher durften verschiedene elektrische Autos vom Renault Twizy über den Nissan Leaf bis zum Tesla Roadster ausprobieren. Den ganzen Tag über sausten die Fahrzeuge flüsterleise über den Dultplatz. Kinder konnten auf einem abgesperrten Parcours mit E-Mofas herumdüsen. Für Musik und Unterhaltung sorgte das Team von Radio Ramasuri, und um das leibliche Wohl kümmerte sich bestens der Destillerie-Biergarten.

Dr. Guido Weißmann von der Projektleitstelle des Schaufensters Elektromobilität Bayern-Sachsen beleuchtete in seinem Referat ein großes Hindernis auf dem Weg zur elektrischen Mobilität. "Wir empfinden die Nachteile des Elektroantriebs stärker, weil wir die Vorteile nicht kennen und deshalb kein Bedürfnis danach haben". Er verglich die Situation mit der Einführung der CD vor etwa 30 Jahren. Weil damals jeder einen Kassettenspieler hatte, meinte man, die CD sei nicht marktfähig, weil zu teuer. Und an die Nachteile war man gewöhnt. "Die Steinzeit wurde nicht aus Mangel an Steinen oder geschickten Steinmetzen beendet, sondern weil Bronze besser war", erinnerte Weißmann.
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