Folgt die Fortsetzung?

Filmgespräch mit Filmemacher: Dies bot das Landvolk beim Besuch von Robert Neuber. Der Produzent stellte seinen aktuellen Speinshart-Film vor und verriet welches Kapitel der Klostergeschichte er sich als nächstes vornehmen könnte.

Ein Jahr Arbeit steckt in "Frucht und Erbe", allein drei Monate hat Robert Neuber auf die Abfassung des Drehbuchs für seinen zweiten regionalgeschichtlichen Dokumentarfilm verwandt. Das Ergebnis trug dem Pressather eine glatte Eins beim Bachelor-Examen in den Fächern Medientechnik und Medienproduktion an der Technischen Hochschule Amberg ein. Zu Recht, wie der Beifall der 30 Besucher des Seniorennachmittags in Preißach bewies.

Epochale Ereignisse aus der gut 850-jährigen Geschichte der Prämonstratenserabtei, eines "Leuchtturms für Glauben und Kultur", zeichnet der 50-minütige Film anschaulich nach, wobei er deren Niedergang und erzwungene Auflösung in der Zeit um 1800 in den Mittelpunkt stellt. Den "roten Faden" bildet der Lebensweg Alois Tretters, der 1797 mit großem Elan das Amt des Klosterrichters antrat. Bald erkannte er, dass sich das Stift in hoffnungsloser Lage befand: Unwetter, Brände, eine Plünderung durch französische Truppen 1796, aber auch Übergriffe des in Kriege verwickelten und sich obendrein zu einer aufwendigen inneren Modernisierung rüstenden Kurfürstentums Bayern auf das Klostervermögen hatten es an den Rand der Insolvenz geführt.

Aus Sorge um den Lebensunterhalt für seine Familie diente sich der Jurist nach langen Gewissenskämpfen hinter dem Rücken seines Vorgesetzten und Vetters, Abt Dominikus II. Wagner, der kurfürstlichen Regierung an. Diese berief ihn 1803 zum Liquidator der Abtei im Zuge der "Säkularisation" und danach zum Landrichter in Eschenbach. 1819 starb Tretter verarmt und krank. Dank glücklicher Fügungen kehrte der Prämonstratenserorden 1921 nach Speinshart zurück. 80 zumeist aus der Region stammende Schauspieler und Statisten und 20 weitere Helfer hätten an den zweimonatigen Dreharbeiten mitgewirkt, erzählte Robert Neuber.

Ein Glücksfall sei insbesondere Sebastian Hölz, ein aus mehreren Fernsehserien bekannter Schauspielprofi, der als "Moderator" souverän durch den Film führt. Besonderen Wert legten Neuber und Koproduzent Hans Walter aus Kastl auf größtmögliche historische Korrektheit. Dies betraf nicht nur Kostüme, Mobiliar und andere Requisiten, sondern auch Kameraeinstellungen. So ist in Sequenzen, die Alois Tretter oder den um 1700 amtierenden Abt Gottfried Blum in der Klosterkirche zeigten, der modernistische Volksaltar nicht zu sehen. Büroszenen drehte das Team in denselben Zimmern, die auch im 18. und frühen 19. Jahrhundert als Kanzleiräume gedient hatten.

Für Robert Neuber birgt die bewegte Geschichte des Klosters durchaus noch Stoff für weitere Filme. Reizen würde ihn etwa ein Lebensbild des Abtes Dominikus I. von Lieblein, der in seiner Amtszeit von 1734 bis 1771 das Konvent zu einer letzten kulturellen und wirtschaftlichen Blüte führte: "Er war ein Mann mit facettenreichen Charakter."
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