Fortschritt im Menschsein

"Miteinander ehren wir einen Heiligen aus unserer Stadt. Vor einem Jahrtausend wurde Burchard am 18. Oktober auf der ehemaligen Burg geboren," erinnerte Stadtpfarrer Hannes Lorenz an den großen Sohn Nabburgs.

Nabburg. (bph) Der Stadtpfarrer dankte den Gläubigen im vollen Johannesdom am Samstag für das Interesse an dem gottesfürchtigen Bischof von Halberstadt. Weihbischof Reinhard Pappenberger zelebrierte den Festgottesdienst mit weiteren sechs Geistlichen zur 30-Jahrfeier der Übertragung der Burchard-Reliquie nach Nabburg. Unter voluminösen Klängen der Orgel zog die Geistlichkeit mit dem Weihbischof und Domkapitular Ulrich Lieb aus Magdeburg ein. In seiner Predigt erinnerte der Vertreter des Regensburger Diözesanbischofs Rudolf Voderholzer an den Hoffnungsträger im Glauben, den Heiligen Bischof Burchard von Halberstadt. "Er legte Zeugnis ab für Jesus Christus und machte Gottes Nähe erfahrbar". Schon zu Zeiten des "finsteren Mittelalters", wie es heute genannt werde, "wirkte Gott in all dieser menschlichen Erbärmlichkeit. Er sandte einen Menschen, der Licht in diese Dunkelheit brachte".

Das vielzitierte Wort "Fortschritt" habe es auch schon zu Zeiten Burchards gegeben. Er ist dafür eingetreten", so der Weihbischof weiter. Fortschritt gebe es aber nur dann, wenn er auch den Menschen etwas bringe. Wer nur an Wirtschaft, Technik und Macht dabei denke, begehe einen folgenschweren Fehler. "Den Fortschritt im Menschsein hat uns der Heilige Bischof Burchard vorgelebt". Wer glaube, die Heiligen kommen zurück, unterliege einem Irrtum, "sie sind immer da!" Die Geschichte des Christentums ende nie, auch wenn es immer wieder vorausgesagt werde. "Helft die Botschaft Jesu weiterzutragen", forderte der Prediger die Gläubigen auf.

Im Jugendwerk versammelten sich nach der Messe Pfarrgemeinde und Gäste zum Festakt. Der besondere Gruß von Pfarrgemeinderatssprecher Johann Süß galt denen, die sich noch an das große Ereignis der Reliquienüberführung vor 30 Jahren erinnern. Zusammen mit Stadtheimatpfleger Ernst Dausch schmuggelte der damalige Stadtpfarrer Alfons Rösl die Reliquie in seiner Jackentasche durch den "Eisernen Vorhang".

"Wir ehren heute einen Heiligen, der vor über 1000 Jahren lebte und segensreich wirkte. Das ist wie ein Blick in eine andere Welt," meinte Süß. Trotzdem könne Burchard uns Beispiel sein: Er lebte seinen Glauben zunächst im Alltag als Kanzler im Dienst des Kaisers Konrad II (990-1039) und dann als Bischof von Halberstadt ab 1036. Gerade im Alltag tun sich viele Menschen heute immer schwerer, Leben und Glauben in Einklang zu bringen.

Domkapitular Ulrich Lieb bekannte, ein bisschen neidisch auf das heilig-mäßige Leben Burchards zu sein. Dennoch sei dieser wie wir, auch ein Mensch aus Fleisch und Blut gewesen. "Schon zu seiner Zeit war er Brückenbauer", zeigte sich stolz Bürgermeister Armin Schärtl über den gebürtigen Nabburger. Dorothea Wanka, Pfarrgemeinderatsvorsitzende aus Halberstadt, unterstrich ihre Ausführungen mit einem Fensterglasbild des Heiligen.

Als Zeitzeuge der Ereignisse vor drei Jahrzehnten berichtete ausführlich Franziskanerbruder Valentin Arnrich. Bildlich schilderte er den Besuch der kleinen Delegation aus Nabburg in Halberstadt. "Die grenzüberschreitende Aktion war seinerzeit keineswegs gefahrlos für alle Beteiligten". Er bat ebenso, wie die Vorredner, die freundschaftlichen Kontakte zwischen Halberstadt, dem Tor zum Harz, und dem geschichtsträchtigen Nabburg weiter zu vertiefen.
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