Fragen und keine schlüssigen Antworten - Angeklagter bleibt dabei: "Ich habe nichts getan" - ...
Woher stammen die Kopfverletzungen des Kindes?

Amberg/Schwandorf. (hwo) Zweieinhalb Stunden lang referierte der Rechtsmediziner Professor Stefan Seidl. Was er sagte, muss den Angeklagten getroffen haben wie ein Keulenschlag. Denn mit Seidls Gutachten stand fest: Es müssen im häuslichen Umfeld Vorgänge passiert sein, die zum Tod eines gerade erst sechs Wochen alten Mädchens führten.

Dritter Prozesstag vor dem Amberger Schwurgericht und die erneut vom Angeklagten abgegebene Information, er habe seiner Tochter nichts getan. Doch es muss etwas passiert sein in dem Haus im östlichen Kreis Schwandorf. Der 34-Jährige war mit dem Baby, einem sogenannten Frühchen, an einem Samstagvormittag allein und wollte - so seine Darlegung - "alles richtig machen."

Schütteln ursächlich

Plötzlich soll der Säugling nicht mehr geatmet haben. Er nahm ihn hoch, schüttelte das kleine Mädchen. War das heftig? Der Mann verneint. Doch dieses Schütteln muss massiv gewesen sein. Vor dem Schwurgericht sagte der Erlanger Rechtsmediziner Stefan Seidl, dass ein solch heftiges Schütteln die Verletzungen am Brustkorb und Serienrippenbrüche ausgelöst haben muss. "Kann das auch durch spätere Wiederbelebungsversuche geschehen sein?", hakte die Schwurgerichtsvorsitzende Roswitha Stöber nach. Das hielt Seidl für eher unwahrscheinlich.

Erst drei Tage später

Das notfallmäßig nach Weiden ins Klinikum geflogene Baby war am Nachmittag des 18. Mai 2013 für tot erklärt worden. Erst drei Tage später wurde die Polizei verständigt. Weshalb? Eine schlüssige Antwort dafür gab es am dritten Prozesstag nicht. Allerdings hatten sich äußerlich keine Verletzungen erkennen lassen. Was sich bei der Obduktion herausstellte, überraschte dann auch den behandelnden Kinderarzt.

Dass das Kleinkind geschüttelt wurde, steht fest. Doch bei der Sektion des Leichnams wurden auch massive Schädelverletzungen protokolliert. Auch sie waren mit ursächlich für ein massives Organversagen.

"Einwirkung stumpfer Gewalt", ließ Rechtsmediziner Seidl erkennen. Hervorgerufen womöglich durch Aufschlagen des kleinen Kopfes an einen harten Gegenstand. Zeitlich wohl in eher engem Zusammenhang mit den am Brustkorb diagnostizierten Schäden entstanden. "Nicht im Klinikum Weiden", wie Seidl auf eine Frage der Vorsitzenden verlauten ließ. Dort war das Kind am 31. März 2013 geboren und anschließend weitere vier Wochen auf der Intensivstation behalten worden.

Schwere Entscheidung

Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen. In ihrem Verlauf hörte man, dass auch die Mutter ihre Tochter geschüttelt haben will, als sie plötzlich nicht mehr atmete. Offen aber bleibt die Frage: Wie kam der Schädelbruch zustande? Das Urteil wird am Donnerstag erwartet. Dem Schwurgericht steht dabei eine schwere Entscheidung bevor.
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