Franz Spichtinger zeigt sich als versierter Referent
Facetten Böhmens

Franz Spichtinger referierte über sein Steckenpferd, den Böhmerwald. Bild: hfz
Wernberg-Köblitz. Franz Spichtinger ist mit den kleinen Dörfern, Schlössern, Klöstern und Kirchen in Böhmen vertraut. Bei seinem Vortrag im Landgasthof Burkhard konnte er aus dem Vollen schöpfen. Der Arbeitskreis Heimatgeschichte des Kulturforums und der OWV hatten zu dem Thema eingeladen. Hermann Meiller übergab das Wort an den versierten Referenten. Durch viele Reisen mit Prag und Karlsbad, Pilsen, dem südlichen Böhmerwald und dem Stifterland vertraut, präsentierte Franz Spichtinger ein Potpourri an kulturellen, geschichtlichen und kirchlich-religiösen Impressionen aus Böhmen.

Größen aus dem Geschlecht der Habsburger oder in der neueren Zeit Vaclav Havel und ihr politisches Wirken über die Jahrhunderte standen im Mittelpunkt des Bildvortrags. Spichtinger erzählte von den weltabgeschiedenen Weilern und malerischen Ortschaften in der Sumava. Er erzählte von den Siedlern, Bauern, Handwerkern, Bergleuten, die aus Deutschland von den böhmischen Königen ins Land geholt worden waren, die das Land urbar machten und es kultivierten. "Böhmische Glaskunst hatte über 200 Jahre eine Vormachtstellung in der Welt."

Vom heiligen Wenzel war die Rede, den der eigene Bruder in Stará Boleslav (Altbunzlau) ermordete. Spichtinger ließ Kaiser Karl IV. vor den Zuhörern erstehen, der den Veitsdom, die Karlsbrücke und den Wenzelsplatz bauen ließ. Vom böhmischen Reformator Jan Hus, Generalissimus Albrecht Wallenstein, der in Karlsbad zur Kur einzog, von Franz Kafka und Rainer Maria Rilke war die Rede, ebenso von Berta von Suttner, der Friedensnobelpreisträgerin, die in Prag zu Hause war. Die Komponisten Smetana und Dvorák oder Gustav Mahler waren Repräsentanten großer böhmischer Musikgeschichte.

Dass der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe sich in Marienbad aufgehalten hatte, blieb nicht unerwähnt. Unglücklich verliebt sei der Dichter und Lehrer Adalbert Stifter gewesen. Aber mit dieser Liebe im Herzen hätte er der Nachwelt unvergessliche Literatur hinterlassen.

Über 800 Jahre lebten Tschechen und Deutsche friedlich zusammen. "Nach der unseligen Vertreibung von drei Millionen Menschen und den dramatischen Folgen ist es heute nötig, Brücken zueinander zu bauen. Wir sind heute gefordert, miteinander Zukunft zu gestalten, Versöhnung hat Vorrang," betonte Franz Spichtinger. Für die Menschen im Westen sei Böhmen lange ein unbekanntes Land, eine "Terra incognita" gewesen. Das wäre dem Kommunismus und seiner ein halbes Jahrhundert währenden Herrschaft zu verdanken. Aber die Isolierung Böhmens beginne sich zu lockern. Prag sei zum allgemeinen Reiseziel geworden, Böhmen fange an, es zu werden.
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