Frau Brand und Herr Simmel siezen sich noch, auch nach 15 Krimis im ZDF - Neue Episode am ...
Ein Kessel Böses

Kommissar Simmel (Hinnerk Schönemann) und Marie Brand (Mariele Millowitsch) sind seit 15 Episoden ein Team. Bild: dpa
Der Fernseher ist ein Fenster in die schlechte Welt, selbst am Samstagabend im ZDF. Für die neue Ausgabe der Krimi-Reihe "Marie Brand" (14. Februar, 20.15 Uhr) haben die Autoren einen ganzen Kessel mit Bösem gefüllt. Die Themen Kindesmissbrauch und Bankenkrise kommen vor, geschröpfte Anleger, Korruption in den Medien. Dazu noch ein überehrgeiziger Vater, Hochbegabung und Persönlichkeitsstörung, eine Prise Fitnesspräparate, Eifersucht.

Ein ziemliches Gruselkabinett also, durch das sich Marie Brand (Mariele Millowitsch) und ihr Kollege Jürgen Simmel (Hinnerk Schönemann) hindurch ermitteln müssen. Schön immerhin, dass es in dieser schlechten Welt auch gute Konstanten gibt. Zum Beispiel, dass Frau Brand und Herr Simmel auch nach 15 gelösten Fällen noch Sie zueinander sagen. Und dass die Dialoge sitzen.

"Ein präzise arbeitendes Gehirn ist ein Schutzschild gegen etwas, mit dem man sonst nicht klarkommen würde", analysiert Brand das Verhalten der Tochter des Opfers. "Reden Sie jetzt von sich oder von dem Mädchen?", will Simmel wissen. Dabei arbeitet Brands Gehirn diesmal nicht die ganze Zeit so richtig präzise.

Erzwungenes Geständnis

An einer Stelle gibt sie sogar zu, dass sie einmal ein Geständnis mit seelischer Gewalt erzwungen hat. Was genau passiert ist und was nicht, klärt sich im Laufe des Films. Für die Schauspielerin Millowitsch gibt es aber nicht den Hauch eines Zweifels, egal wie edel der Zweck sein mag, der das Mittel Gewalt heiligen soll: "Folter geht gar nicht, ich bin strikt dagegen. Wir sind ein Staat, in dem das Gott sei Dank nicht erlaubt ist, und das muss auch so bleiben."

Ab in die Sackgassen

Die Folter-Frage ist nicht die einzige Parallelgeschichte, die diesmal erzählt wird. Eine andere dreht sich um Simmels Versuch, eine Frau auf dem Umweg über ihre Tochter zu erobern. So ganz glaubwürdig ist das nicht, aber zumindest wird es nicht ausgewalzt, sondern nur in kurzen Szenen eingewoben.

Ausführlicher und viel spannender ist da schon das intellektuelle und emotionale Duell zwischen Brand und einer Verdächtigen. Was macht Brand da für Fehler, wie lässt sie sich einwickeln - oder hat sie einfach nur recht, nicht immer so misstrauisch zu sein? Hier werden die Zuschauer richtig hineingezogen.

Ansonsten geraten sie auf viele Spuren, die sich als Sackgassen erweisen. Der Kessel Böses bietet natürlich viel Spielraum für Spekulationen, viele Leute, die im Lauf des Films auftauchen, könnten der Mörder sein. Ein Gärtner ist zwar nicht darunter, aber ansonsten gibt es eine Menge falsch zu raten.

Und wer aus diesem Labyrinth wieder heraus will, muss bis zum Finale dranbleiben, am besten bis zum allerletzten Satz, über den schon der Abspann läuft. Dann ist die Wohnzimmerwelt auch wieder fast heil und der Vorhang vor dem Fenster zur bösen Welt schließt sich.
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