Fred Klockgether spricht bei Imkern über Varroamilben-Bekämpfung
Ernte und Bienen schützen

Vorsitzender Andreas Schultes (rechts) dankte Fred Klockgether für den aufschlussreichen Vortrag über die Varroamilbe. Bild: hrö
(hrö) Um das Problem zu verdeutlichen, stellte Fred Klockgether einen Vergleich an: "Stellen Sie sich vor, jedes Jahr verenden bis zu 30 Prozent unserer Milchviehbestände - und das seit 20 Jahren. Wie würden die Milchviehhalter reagieren?" Ein Großteil der Imker, die auch zur Landwirtschaft zu zählen seien, kämpfte so lange mit mehr oder weniger Erfolg gegen das Bienensterben, erklärte der Mitarbeiter der Firma Bayer beim Oktoberstammtisch der Bienenzüchter aus Kemnath und Umgebung.

Hauptverursacher für die Verluste sei die Varroamilbe, die mit Bienenimporten Ende der 1970er Jahre eingeschleppt worden und heute die Bedrohung "Nummer eins der Honigbiene bei uns" sei. Der 1,7 Millimeter große Parasit vermehre sich auf der Brut und ernähre sich vom Blut der Bienen. Über die Bisswunden übertrage die Milbe weitere Krankheitserreger, erklärte der Referent.

Bis zu 90 Prozent weniger

Der Schutz der Bestäuber sei wichtig. Ohne Bienen verlören die Obstbauern bis zu 90 Prozent ihrer Ernte, wusste Klockgether. "Wer Äpfel will, muss die Ernte und die Bienen schützen." Ohne Pflanzenschutz gingen Nahrungsmittel, nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energieträger verloren. Vom "Bienenunfall" 2008 im Oberrheingraben (Bienensterben durch Aussaat von gebeiztem Mais, Anm. d. Red.) seien 12 500 Völker betroffen gewesen. Seitdem habe es keine auch nur annähernd vergleichbaren Schäden durch chemische Mittel gegeben, betonte der Redner. Wichtige Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoiden für Einsätze bei Raps, Mais und Sonnenblume seien verboten worden. Diese Entscheidung sei nicht wissenschaftlich fundiert, sondern politisch motiviert gewesen, meinte er.

Winterverluste viel größer

Die Auswertung der Verluste 2014/15 relativiert in seinen Augen die Bedeutung der Landwirtschaft und des Einsatzes von Pflanzenschutzmittel. Hiervon seien 1000 bis 1500 Völker betroffen gewesen. Dagegen beliefen sich die Winterverluste aufgrund mangelhafter imkerlicher Praxis auf rund 300 000 tote Bienenvölker, was in etwa 30 Prozent entspreche.

Klockgether stellte eine Reihe von zugelassenen Behandlungsstreifen gegen die Varroamilbe vor. Wer bislang seine Völker sicher über den Winter gebracht habe, solle in dieser Form weiterarbeiten. Die Diskussion zeigte, dass es in Kemnath und Umgebung durchaus Bienenzüchter gibt, die durch Brutentnahme und fachgerechte Behandlungen ohne Rückstände im Wachs und im Honig ihre Völker gut überwintern. Vorsitzender Andreas Schultes dankte dem Referenten mit einem Geschenkkorb, gefüllt mit Kemnather Spezialitäten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.