Freistaat der größte Zahlmeister

Was macht eigentlich ein Landschaftspflegeverband in einer Umwelt, die durch Land- und Forstwirtschaft, Siedlungen und Verkehrswege geprägt wird? Neben diesen Bereichen gibt es viele kleine Nischen, die erhaltenswerten Pflanzen und Tieren Raum bieten. Und da kommt dann der Verband ins Spiel.

Landrat Richard Reisinger schaute als Vorsitzender des Landschaftspflegeverbands (LPV) bei der Begrüßung im Landgasthof Zum Res'n in viele bekannte Gesichter. Zu den Bürgermeistern kamen Verbandsvertreter aus dem Natur-, Wirtschafts- und Behördenbereich. Sie alle vereinen sich im LPV mit dem Ziel, unsere schöne Landschaft mit ihren Besonderheiten zu erhalten.

Roman Berr freute sich als Bürgermeister der gastgebenden Gemeinde Etzelwang über soviel Kompetenz und bot "Landschaft mehr als genug" an. Auf die praktische Arbeit des Verbands ging der Geschäftsführer, Diplom-Biologe Richard Lehmeier, ein. Seinen Vortrag illustrierte er mit mehreren Bildern.

32 Maßnahmen umgesetzt

Gebietsbetreuer Rudolf Leitl und seine Bürodamen beschäftigten sich mit 32 Pflegemaßnahmen, davon drei im Stadtgebiet Amberg. Diese waren von den Gemeinden angemeldet worden. 22 Landwirte beteiligten sich daran mit Helfern und Maschinenpark. Finanziell übernahm der Freistaat den überwiegenden Teil. Die "Glücksspirale" sprang in einem Sonderfall ein, und der Rest kam aus Mitgliedsbeiträgen und der Umlage auf die Kommunen.

Neben kleineren Maßnahmen zur Biotop- und Magerrasenpflege sowie Bachrenaturierungen lag der Schwerpunkt im Etzelwanger Bereich. Die Entbuschung und Felsfreilegung im aufgelassenen Steinbruch Pirner sowie die Wiederherstellung der alten Hutung oberhalb von Lehendorf waren die größten Einzelprojekt. Das weltweit einzigartige Vorkommen der Neukirchener Mehlbeere wurde kartiert. Bei der noch selteneren Frechetsfelder Mehlbeere ist dies in Arbeit.

Im überregionalen Bereich engagiert sich der LPV mit seinen Pendants aus den Nachbarlandkreisen im Juradistl-Programm. Die biologische Vielfalt im Oberpfälzer Jura schaffte es sogar bis zur Anerkennung durch die UN. Eine bessere Vermarktung von Lamm und Rind sowie die Auswirkung auf den Tourismus sind das Ziel.

Bis März 2018 verlängert

Die Tätigkeit des Gebietsbetreuers Rudolf Leitl wurde bis März 2018 verlängert. Der achtungsvoll "Fledermaus-Rudi" genannte Diplom-Biologe schilderte lebensnah sein Aufgabengebiet. So kümmert er sich nicht nur um den für Besichtigungen zugänglichen Bestand der seltenen Großen Hufeisennase in Hohenburg. Dazu kommen Naturschutzgebiete, ein floristisches Artenhilfsprogramm für bedrohte Pflanzen und ein Kletterkonzept im westlichen Landkreis.

Die Gebiete am Rand der Truppenübungsplätze sind für einen Naturerhalt ebenso gut geeignet wie die teils kleinräumige Bewirtschaftung in den Ausläufern der Fränkischen Schweiz. Gute Beispiele liefern Landwirte mit Viehhaltung auf der Weide. Am Herzen liegt Leitl eine vernünftige Besucherlenkung, um kostbare Pflanzenbestände zu schonen. Wichtig ist auch die Vernetzung der Aktivitäten verschiedener Verbände im Bereich von Natur und Landschaft.

Nicht ohne Bürokratie

Der Landrat ergänzte diese Berichte mit dem Hinweis auf die gezeigte Vielfalt der Verbandsaufgaben. Aber trotz der guten Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten ist eben auch viel Bürokratie dabei. Die finanzielle Situation legte der Geschäftsführer mit dem Kassenbericht vor. Die Prüfer Stefan Braun und Hans Koch bestätigten die klare Buchführung und beantragten Entlastung von Vorstandschaft mit Kassier, die von den Mitgliedern erteilt wurde.

Eine umfangreiche Maßnahmenliste für dieses Jahr, die sich durch das ganze Verbandsgebiet zieht, umfasst vor allem Magerrasen- und Biotoppflege, Felsfreilegungen, Entbuschungen und Bach- wie Weiherbiotope. Diese wurde von der Versammlung genehmigt.
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