Fremde Gäste und die Gesetzeslage
Leserbrief

"Hilfe auf christlicher Basis" war ein Artikel über eine Zusammenkunft des Nabburger Arbeitskreises Asyl betitelt. Dazu erreichte uns folgende Leserzuschrift:

"Mit Verwunderung habe ich in diesem Artikel gelesen, dass im Sprachgebrauch des Nabburger Arbeitskreises "Asyl" es sich bei den Asylbewerbern nicht um Asylanten, sondern um "Gäste" handelt. Das verwundert mich deswegen, weil ich bisher geglaubt habe (und immer noch glaube), dass es zur Erlangung des Status eines Gastes einer Einladung bedarf. Auch habe ich noch nichts zu Ohren bekommen, dass ein Gastgeber andere für seine Gäste hat bezahlen lassen. Ich hatte vor eineinhalb Jahren eine Thailänderin in die Oberpfalz eingeladen, um mich damit für eine sehr informative Fremdenführung zu bedanken. Zuvor musste ich jedoch beim Landratsamt eine kostenpflichtige "Verpflichtungserklärung" abgeben. In dieser Urkunde (mit drei Unterschriften und zwei Siegeln) musste ich mich verpflichten, dass ich die Kosten für den Lebensunterhalt sowie die Kosten für die Ausreise meines Gastes tragen werde und auch sämtliche öffentliche Mittel, für Arztbesuche, Medikamente und Krankenhausaufenthalte meines Gastes erstatten werde. Zusätzlich wurde meinem Gast auferlegt, bei der Einreise einen ausreichenden Krankenversicherungsschutz nachzuweisen.

Meine Verpflichtungserklärung umfasste des Weiteren, dass ich die Kosten einer zwangsweisen Aufenthaltsbeendigung inklusive Beförderungs- und Reisekosten als auch eventuelle Begleiter-, Übersetzungs- und Haftkosten zu übernehmen habe. Auch musste ich unterschreiben, dass ich vom Landratsamt darauf hingewiesen wurde, dass oben angegebene Kosten gegebenenfalls zwangsweise beigetrieben werden und dass ich im Falle unvollständiger Ausgaben mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen muss. Anschließend - weil bemerkenswert - darf ich dieser Einladungsprozedur noch hinzufügen, dass wir wegen der Auskunft des deutschen Konsulats das Flugticket für drei Monate gelöst hatten. Wegen der unterschiedlichen Länge unserer Monate waren dies 91 Tage. Bei der Ausreise wurden wir darauf hingewiesen, dass ich meinen Gast hätte nur 90 Tage einladen dürfen, selbiger sich nunmehr einen Tag zu lang in Deutschland aufhalte und damit gegen unsere Gesetze verstoßen habe. Mein Gast wurde protokollarisch vernommen, sowie eine Anzeige gegen ihn erstattet.

Ich nehme mal an, dass nicht viele Leser diese Gesetzeslage kennen, die man beachten muss, wenn man gedenkt einen Ausländer (Fremden) als Gast einzuladen. Auch ist es meine Absicht, zu beklagen, dass immer häufiger viele Vokabeln mit einem anderen (positiven oder negativen) Sinn versehen werden, um diese dann für eigene ideologische Zwecke zu missbrauchen. Dieser Umstand macht meines Erachtens eine Diskussion, geschweige denn eine Übereinstimmung nahezu unmöglich."

Dietrich Scholz, Pfreimd

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