Fremde werden zu Freunden

Zum Thema "Flüchtlinge und Willkommenskultur" referierten Pater William Webster und Caritas-Migrationsexpertin Dolores Longares-Bäumler. Gastgeber waren Stadtpfarrer Thomas Jeschner und Brigitte Metzner, Sprecherin des Pfarrgemeinderates (von links). Bild: do

Sie sind prinzipiell willkommen, aber kaum einer will sie in der Nachbarschaft oder gar in der Wohnung haben. So sieht die Wirklichkeit der Flüchtlinge in Deutschland aus. Mitleid und Hilfsbereitschaft in Grenzen, ja. Aber wo bleibt ehrliche und ehrenamtliche Willkommenskultur?

Bei der katholischen Ortskirche herrschte jedenfalls auffallendes Desinteresse zum Thema. Im Altenclubraum blieben die meisten Stühle leer. Nicht einmal das "Stammpersonal" zeigte Flagge. Am auffälligsten war noch die Losung des Abends, handgeschrieben auf einem weißen Zettel "Friede ist, wenn Fremde Freunde werden".

Sprache wichtig

Die Flüchtlingsdramen bewegen die Menschen an den Bildschirmen. Die Migranten fliehen vor Krieg, Hunger, Not und mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch wohin mit ihnen? Wer kümmert sich um sie? Plötzlich erinnern sich vor allem diejenigen, die gar nicht dabei waren, an das Millionenheer von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg. Gemeint sind die 14 Millionen Vertriebenen aus den Ostgebieten. Darauf verwies nach einführenden Worten von Stadtpfarrer Thomas Jeschner auch Pater William Webster. Der Vertreter der Legionäre Christi (LC) erinnerte an die vielen Vertriebenen in Eschenbach nach den Kriegswirren. Besonders bemühte der Ordensmann zunächst alttestamentarische Flüchtlings-Beispiele. Er verwies auf Abraham, Jakob oder Mose, um sich schließlich dem "berühmtesten Vertriebenen aller Zeiten", nämlich Jesus mit seiner Flucht nach Ägypten, zuzuwenden.

"Alles, von dem du willst, dass man es dir nicht tut, das tue einem anderen nicht", zitierte der Pater. Jeder Flüchtling stelle deshalb sinngemäß die gleiche Frage: "Bin ich es wert, hier an deiner Seite zu leben?" Die Lebensgeschichte eines syrischen Migranten aufgreifend suchte der Referent nach Lösungsansätzen, eine Willkommenskultur mit christlicher Identität zu entwickeln. Mit Blick auf die Heilsgeschichte und einem Gottesvolk von Flüchtlingen appellierte der Pater, den Verfolgten wenigstens Würde entgegenzubringen. Der Redner warnte vor vorverurteilenden Blicken und forderte dazu auf, auch die Migranten nach dem Wert seines Ichs und seiner Identität zu messen.

Als weitere Kernpunkte der Willkommenskultur nannte der Vertreter der LC die Vermittlung von Sprachkenntnissen. "Der Taube ist einsamer als der Blinde", zitierte Webster Helen Keller und empfahl eine intensive Konversation. "Zeigen Sie den Leuten das Gefühl der Zugehörigkeit, um den Eindruck des Willkommenseins zu vermitteln. Wir schulden den Flüchtlingen, die nun einmal Realität sind, Antworten mit unseren Worten und Werken."

Eher praktische Empfehlungen für ehrenamtliche Hilfskräfte gab Dolores Longares-Bäumler. Nach einer Analyse der Flüchtlingssituation in Eschenbach und dem langen und meist gefahrvollen Weg der Migranten bis zum Eintreffen in den Gemeinschaftsunterkünften und dezentralen Wohnungen informierte die Migrationsexpertin der Caritas über Grundsätze der Betreuungskultur. Wertvolle Anregungen gab sie zur Unterstützung der Flüchtlinge im Alltagsverhalten in einer für sie fremden Umgebung und fremden Sprache. Für ehrenamtliche Helfer sei deshalb besonders empfehlenswert, Asylbewerbern während ihres Aufenthaltes wohlwollend und verständnisvoll zu begegnen.

Einladungen zu Festen, Beratungs- und Abholdienste, Hinweise zur Freizeitgestaltung, Patenschaften oder spezielle Betreuung von Kindern und Jugendlichen betrachtete die Referentin als besonders hilfreich. Zur typisch ehrenamtlichen Unterstützung zählte die Sozialpädagogin auch Beratungsangebote im Zusammenhang mit der Wohnkultur und die Einführung in die Gepflogenheiten des Gastlandes. "Das Vermitteln deutscher Regelwerke ist ein Muss, um das Zusammenleben zu erleichtern", betonte sie. Wichtig sei dabei immer, Toleranz zu üben und auch die Religionsausübung zu fördern.

Lächeln verbindet

Trotz Hilfsangebote warnte die Migrationsberaterin vor Übereifer. Es bringe nur Verärgerung oder Rechtsverstöße, Flüchtlingen zum Beispiel aus den sogenannten sicheren Drittstaaten hartnäckig zum Hierblieben zu ermuntern. Deren Rückführung sei, von wenigen Ausnahmen abgesehen, vorprogrammiert. Für die relativ kurze Zeit des Hierbleibens warb Longares-Bäumler um Herbergsleute und zitierte aus dem Erfahrungsschatz von Victor Borge: "Die kürzestes Verbindung zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln."
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