Freund in Florida

Es wimmelt nur so von Polizei im Museum für Porzellan, Glas und Handwerk in Mitterteich im Landkreis Tirschenreuth. Keine Katastrophe hat diese enorme Präsenz notwendig gemacht. Bei einer Präsentation zeigt Klaus Sennert aus Teublitz Uniformen und Equipment der Ordnungshüter aus aller Welt.

Der erste Blick durch die Glasscheibe im Eingangsbereich suggeriert Sicherheit. "Hier kann dir nichts geschehen", ist der erste Gedanke, der einem in den Sinn kommt. Als hätte Interpol seine besten Männer aus jedem Land der Erde hier zusammengezogen, so sieht es im Ausstellungsraum aus.

Frauen und Männer in Uniformen blicken dem Besucher streng ins Gesicht. Beim zweiten Blick wird klar: Die Uniformierten sind Schaufensterpuppen. Und etwas später kommt die Erkenntnis dazu, dass es sich um eine Zeitreise durch die Geschichte der Polizeiuniformen, -abzeichen und -gerätschaften handelt.

Unter dem Thema "200 Jahre Gendarmerie und Polizei" präsentiert Klaus Sennert Uniformen, Mützen, Helme, Dienstabzeichen, Motorräder und alles, was Polizisten in aller Herren Länder sonst noch benutzen. Damit aber nicht genug. Die Mitte des Raumes hat der ehemalige Dienststellenleiter der Inspektionen Regenstauf und später Weiden mit entsprechendem Trassierband großzügig als Polizeiabsperrung deklariert.

Darin ist die erkennungsdienstliche Behandlung eines Spitzbuben durch einen Mann im Blaumann dargestellt. Möbel und Equipment stammen aus einer Dienststelle der Regensburger Kripo um 1940. Der im Blaumann ist ein Beamter und steht vor einer riesigen Holzkamera. Damit macht er Fotos vom Verdächtigen gegenüber.

Der Mitterteicher Arbeitskreis Heimatpflege hat die Gelegenheit genutzt und zur Präsentation Texte und Bilder zur Geschichte der Mitterteicher Stadtpolizei von 1945 bis 1958 hinzugefügt. Auch eine Originaluniform gehört dazu.

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"In 41 Jahren Dienst bei der Polizei kommt man irgendwann automatisch mit anderen Sammlern in Kontakt", erklärt Sennert seine Sammelleidenschaft. Bei Manövern der US-amerikanischen Streitkräfte in Grafenwöhr habe er erste Abzeichen getauscht. Das war etwa 1988.

Anfang der 1990er Jahre erhielt er von einem Freund aus Florida dessen Sammlung, beziehungsweise das, was der Hurrikan der dessen Haus zerstörte, übriggelassen hatte. Er selbst wollte nach dieser herben Enttäuschung über den Verlust nicht mehr weitersammeln. "Unbewusst legte er damit bei mit den Grundstock." Je mehr Abzeichen es wurden - die Sammlung bewegte sich damals zahlenmäßig noch im mittleren zweistelligen Bereich - desto stärker wurde die Leidenschaft. Über verschiedene Berufsverbände und internationale Polizeivereinigungen kamen intensive Kontakte im Ausland zustande. Irgendwann wurden neben den Abzeichen Dienstmützen und Hemden getauscht.

Nachdem Sennerts Abzeichensammlung etwa 500 Exemplare ausmachte und er nahezu auch 300 Mützen aus aller Welt hatte, kam ihm der Gedanke, dass es doch erst wirklich interessant wäre, wenn man komplette Uniformen bekommen könnte.

Die ersten stammten aus angrenzenden Staaten, später sogar aus Japan. Ein Bekannter, der mit einer Japanerin verheiratet ist, stellte über sie den Kontakt her. Mittlerweile gehören zur Sammlung auch Uniformen aus Thailand, Russland, der Türkei, den Vereinigten Staaten von Amerika (New York, Chicago, Miami- Dade-County und verschiedene Sheriff- und Police-Department-Uniformen), Kanada und natürlich die alten bayerischen Uniformen sowie die diverser Stadtpolizeien.

Die Sammlung wurde kontinuierlich erweitert. Sehr alte und seltene bayerische Kopfbedeckungen (Pickelhauben und Tschakos vom Anfang bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts) und sehr alte Uniformen aus Bayern kamen hinzu. Als Klaus Sennert noch im Dienst war, sammelte er alles Alte, das von der Polizei im Dienst benutzt worden ist. Dazu gehörten auch Büromöbel der ehemaligen Polizeidirektion Regensburg von 1937, alte Gerätschaften wie der ausgestellte Fotoapparat, Radargeräte, Atemalkoholmessgeräte, Anhaltekellen und vieles mehr.

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Unerforschte Geschichte

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Seit etwa zehn Jahren stellt er Teile seiner umfangreichen Sammlungen im Rot-Kreuz-Museum Regenstauf aus. Dessen Leiter, Gerhard Hofbauer hat ihm beim Aufbau im Mitterteicher Museum geholfen. Inzwischen besitzt Sennert rund 250 Uniformen.

Der Schwerpunkt der Ausstellung befasst sich mit der geschichtlichen Erfassung der Gendarmerie und Polizei in der Oberpfalz. Seit 1813 gibt es in Bayern die Gendarmerie, beziehungsweise Polizei: "Eine noch sehr unerforschte Geschichte."
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