Fritz Stocker kurz vor 85. Geburtstag gestorben - Mesner in der Altenheimkapelle
Nicht auf der Sonnenseite

Neustadt/WN. (ms) So lange hat wohl kein anderer vor ihm im Altenheim St. Martin gelebt: Fritz Stocker, in der Kreisstadt eine Institution, ist nach 40 Jahre langem Aufenthalt gestorben - zwei Tage vor seinem 85. Geburtstag.

Der Stocker-Fritz, wie ihn die Neustädter nannten, hatte es im Leben nicht leicht. Obwohl er sprach- und hörgeschädigt war und sich nur schwer verständigen konnte, ließ er sich nicht unterkriegen. Der lebenslustige, gläubige Christ war vielen als Mesner in der Altenheimkapelle bekannt. Beim Einsammeln der Sonntagskollekte konnte er energisch sein, wenn jemand nicht seinen Obolus ins Körbchen legen wollte.

Viele Jahre hat Stocker den Neustädter Faschingszug angeführt. Die vielen Narrenorden, die sein Zimmer zierten, waren sein ganzer Stolz. Seine Leidenschaft war das Wandern. Die älteren Neustädter erinnern sich noch gut daran, wie er jedes Jahr im Sommer in Eimern und Milchkannen selbstgezupfte Schwarz- und Preiselbeeren zum Altenheim trug.

Geboren wurde Stocker am 11. Februar 1930 in Landau an der Isar. Bereits als Zweijähriger kam er in die Taubstummenanstalt nach Kallmünz, wo er vier Jahre seiner Kindheit verbrachte. Nach weiteren Heimaufenthalten verdingte er sich von 1954 bis 1957 in Lämersdorf als Knecht. Dann folgten zehn Jahre auf einem Hof in Bergnetsreuth und noch einmal zwei Jahre in Höfen. Auch in Wöllershof arbeitete Stocker sieben Jahre lang als Knecht. Als dies nicht mehr möglich war, kam er bereits mit 46 Jahren ins Altenheim.

Gestorben ist Stocker bereits am 9. Februar. Die Beerdigung hat still und leise stattgefunden - ohne Beteiligung. Am Freitag, 27. Februar, um 14 Uhr wird nun in einem Requiem in der Altenheimkapelle des Toten gedacht.
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