Führung durch die Friedrichsburg bringt viel Unbekanntes zum Vorschein
Torwächterfrau aus Harem geraubt

Vohenstrauß. (dob) Das unbeständige Wetter war passend für eine Schlossbesichtigung unter dem Motto "Was hat eine türkische Haremsdame mit Schloss Friedrichsburg zu tun?" Nebenbei spendeten die Teilnehmer 200 Euro für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei der Aktion "Anja will leben".

Gästeführerin und Geo-Rangerin Eva Ehmann nahm die Besucher mit auf eine interessante Zeitreise durch die Geschichte des Vohenstraußer Wahrzeichens. Das Schloss ist benannt nach seinem Erbauer Pfalzgraf Friedrich, der 1593 mit seiner Ehefrau Katharina Sophia nach Vohenstrauß zog. Mit ihnen kamen auch zwei unverheiratete Schwestern von Katharina in die Oberpfalz. Die Friedrichsburg wurde im Stil der Renaissance erbaut. Dabei besann sich der Erbauer auf die griechische Antike, was an den Eingangsportalen mit Säulen sowie den am First befindlichen "schönen Zinnen in welscher Manier" sichtbar wird.

Friedrich wollte ursprünglich in Weiden residieren, konnte sich aber mit seinem Mitregenten über den Ausbau des "Vestenhauses" nicht einigen und suchte deshalb einen geeigneten Platz, um ein für ihn angemessenes Schloss zu errichten, und so kam der Regent nach Vohenstrauß.

Die Bauzeit war von 1585 bis 1593, denn zwischendurch gab es finanzielle Probleme. Veranschlagt waren zirka 1200 Gulden, tatsächlich kostete das Schloss 3100 Gulden. Lediglich vier Jahre waren Friedrich darin vergönnt. Schon mit 40 Jahren starb er an Gicht und Altersschwäche. Danach war die Friedrichsburg für zehn Jahre Witwensitz.

Besonders angetan waren die Besucher von den vier Dachgeschossen. 95 Prozent des verarbeitenden Holzes ist noch im Originalzustand vorhanden. Damals wurden keine Nägel verwendet sondern das Holz aufwendig verzapft. Das Holz - es hätte für 25 Einfamilienhäuser gereicht - stammt von der Silberhütte.

Die Sache mit der türkischen Haremsdame löste Ehmann erst zum Schluss auf. "Viele Vohenstraußer haben türkische Vorfahren", berichtete sie. Ein ehemaliger Torwächter soll mit einer Haremsdame verheiratet gewesen sein. Diese wurde in jungen Jahren aus einem Harem geraubt und in die Oberpfalz verschleppt.
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