Für a Fünferl gibt's an Spruz
Von Zwanzgerln, Zwickln und Noicherltrinkern

Geld regiert die Welt, ob der Zwickl, das Zwanzgerl beim Kartenspielen oder der Nickl. Bild: Tietz
"Zwickl" lautete der Titel der "Schwandorfer Dokumentarfilmtage". Der Eintritt betrug nämlich einen Zwickl, zwei Euro. Zu meiner Kinderzeit gab es auch noch das Nickl, so hieß das Zehnerl. Und Zwoiring hieß das kupferne Zwei-Pfennig-Stück. "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Thaler nicht wert" sagt das Sprichwort. Der Pfennig - in der D-Mark-Währung die geringste Münze - war einst als Regensburger Pfennig im Mittelalter eine fast über ganz Europa verbreitete und begehrte Münze. Während der Thaler noch im Dollar fortlebt. Dazu hieß es im Volksmund, die beiden Taschen seien "doo laar und doo laar". Inzwischen sind andere, einst auch bei uns gängige Münzennamen wie Gulden, Schilling und Groschen mit der Euro-Reform in den Nachbarländern ebenfalls verschwunden. Der Heller und der Batzen leben längst nur noch im Volkslied fort: "Sie waren beide mein. Der Heller ward zu Wasser, der Batzen ward zu Wein." Nur eine "alte" Währung blieb bis heute unverändert: das Zwanzgerl als Einsatz beim Kartenspiel. Wobei mir kürzlich im Laden auch das Vierzgerl als zwei Zwanzgerl unterkam. Ganz schlimm war es allerdings, wenn jemand überhaupt kein Geld in der Tasche hatte, was oft bei den Bodern der Fall war, die für ihre tägliche Rasur von den Kunden nur einmal im Jahr bezahlt wurden. "Bodawaschl, host koi Geld im Daschl" lautete daher der Spottvers der Kinder.

Mehr flüssig ernähren sich bald wieder die Fronberger Kirwaburschn: "I hob ja no a Fünferl daou", singen sie, wenn sie darum bitten, "O Kirwa laou niad naou". Allerdings erhält man für ein Fünferl keine großen Mengen Bier, wovon man bestimmt keinen Wenta, also einen Rausch, bekommt. Höchstens dass einem der Schankkellner für ein Fünferl noch ein einen Spruz in den Maßkrug füllt, was nicht einmal ein Quartl ist, höchstens ein Noicherl. Noigerltrinker sind ziemliche Hungerleider, und das ist deshalb ein böses Schimpfwort.

Weniger als der Spruz ist der Spritzer, noch weniger aber das Tröpferl, etwa in Form des Nasentröpferls. Ein solches, braungefärbt, fand sich in gewissen Abständen bei uns in den meisten Büchern der örtlichen Pfarrbibliothek. Ein sehr fleißiger Nutzer derselben, ein älterer Herr, schnupfte nämlich und so fand sich neben der obigen Hinterlassenschaft in gewissen Abständen immer auch eine Bries mit dem Schmai zwischen den Seiten. Unserer Lesefreude hat es jedenfalls keinen Abbruch getan. Bei den Längenmaßen sind inzwischen viele nicht mehr gebräuchlich: der Fuß, der Schuh und die Elle beispielsweise. Bei uns hat sich das metrische Maß durchgesetzt, seit am 20. Mai 1875 in Paris die internationale "Meterkonvention" beschlossen wurde. Allerdings kann mir bis heute niemand den genauen Abstand sagen, wenn etwas ums Orschlecka nicht passt. (hw)

___

Die Serie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/dialekt
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.