Für alles ist ein Wildkraut gewachsen

Die Oedmühle zwischen Amberg und Nürnberg bietet für Liebhaber historischer Baudenkmäler, von Natur und der Kräuterküche alles, was nicht nur das Veganerherz begehrt.

Zu finden ist der malerische Ort Oed am Fünf-Flüsse-Radweg in der Gemeinde Weigendorf (Kreis Amberg-Sulzbach). Die Oedmühle ist ein historischer Grenzpunkt des Nürnberger Landes zur Oberpfalz, etwa 20 Kilometer von Lauf und 15 Kilometer von Sulzbach-Rosenberg entfernt. Besonders wird der Ort durch Gabriele Leonie Bräutigam, die mit Kräuterwanderungen und Kochbüchern zum Thema Wildkräutern bekannt ist.

Jetzt gibt es ein neues Wildkräuter-Buch der Autorin und zertifizierten Kräuterführerin. Sie studierte Soziologie, Germanistik und Philosophie, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Wildpflanzen und Ernährung. Ihr Wissen gibt sie in Seminaren und Wildkräuterwanderungen weiter. Bräutigam verbindet leckere Rezepte in ihrem Buch "Wilde grüne Küche" (192 Seiten. Hans-Nietsch-Verlag 19,90 Euro) mit modernen Erkenntnissen der Ernährungslehre und Naturheilkunde.

Das Buch verspricht schnelle 20-Minuten-Rezepte, gesunde und leckere Rezepte mit heimischen Wildkräutern. Im Interview erklärt die Autorin, was es mit ihrer Art zu kochen auf sich hat.

Natur, Kulinarik und vor allem die Wildkräuter sind Ihre Leidenschaft? Woher kommt diese?

Gabriele Leonie Bräutigam: Meine Großmutter kannte sich sehr gut mit Wildkräutern aus. Als wir in die Oberpfalz zogen, habe ich sie neu entdeckt. Die Einheit von Küchen- und Heilmittel-Rezept, den "blinden Fleck" im Auge des Gärtners.

Was unterscheidet das Kochen mit Wildkräutern von anderen vegetarischen oder veganen Rezepten?

Bräutigam: Die Fülle an Phytonährstoffen, die unser Körper für ein starkes Immunsystem braucht. Die zunehmende Zahl der Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist kein Zufall. Vegetarisch allein macht noch keine gesunde Vitalkost. Außerdem: Gegen alles ist ein Kraut gewachsen. Die "Grüne Hausapotheke" schmeckt, ist gesund - und kostenlos!

Worin liegt das Gesunde der Wildkräuter?

Bräutigam: Hybridzüchtungen und Nahrungsmittellogistik haben heute die sekundären Pflanzenstoffe zugunsten von Haltbarkeit und Optik auf ein Minimum reduziert. Unser Immunsystem, und das "wohnt" bekanntlich im Darm, ist unterversorgt. Schon einmal Tomaten gekauft, die sich in zwei Monaten im Kühlschrank kaum verändert haben? Eine Handvoll Wildkräuter am Tag gleicht das aus. Um es den Lesern einfach zu machen, stelle ich in der "Wilden Grünen Küche" die zehn weitest verbreiteten Wildkräuter der Oberpfalz vor: Giersch, Gundermann, Brennnessel, Wilde Melde. Jeder kennt sie, kaum einer erkennt ihre Wirkung für Körper und Seele.

Inwiefern sind Wildkräuter "Power-Snacks"?

Bräutigam: In der "Wilden Grüne Küche" kochen wir mit den Energiespendern heimische Wildpflanzen. Sie enthalten extra viel pflanzliches Eiweiß, lebenswichtige Mineralien und Vitamine. In den Rezepten zeige ich, wie man sie in nur 20 Minuten in leckere "Power-Snacks" verwandelt. Zum Mitnehmen ins Büro, auf den Balkon, zum Sommerfest.

Sollte man seine Ernährung umstellen? Was halten Sie von der "gesunden Fast-Food-Küche", die mittlerweile neben Fast-Food-Restaurants Einzug hält?

Bräutigam: "Fast Food" ist natürlich immer ein Endprodukt der industrialisierten Nahrungsproduktion, auch wenn es jetzt "natürlicher" daherkommt, leichter und vegetarisch ist. Darum mein Tipp für alle modernen Nomaden, der in die Stadt zum Arbeiten fahren: Packt euch das "gsunde Zeug" aus dem Garten in die Lunchbox. In der "Wilden Grünen Küche" gibt es zu jedem Rezept eine Variante zum Mitnehmen. "Wild Food to go" sozusagen.
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