Für andere verzichten

Einmal jährlich besucht Christine Götzl mit weiteren Mitgliedern und Spendern des Vereins "Hoffnung für Menschen e.V." das Projektgebiet in Südindien. Bild: myd

Geografisch liegt Indien weit weg von Grafenwöhr - emotional nicht: Christine Götzl wohnt in der Stadt am Truppenübungsplatz. Von dort aus versucht sie, Waisen in Indien zu helfen und verzichtet dafür auf eigenen Luxus.

Christine Götzl engagiert sich bei dem Weidener Verein "Hoffnung für Menschen e.V.", der seit zehn Jahren Witwen und Kindern in Südindien hilft. Ihr Leben hat sich durch die Hilfe verändert. Ein Interview:

Wie sind Sie auf den Verein aufmerksam geworden?

Auf einer Geburtstagsfeier erzählte ein Freund vom Engagement seiner Schwester für ein Hilfsprojekt in Indien. Ich war sofort beeindruckt, und die Bilder, die er uns zeigte, berührten mich so sehr, dass ich auch selbst aktiv werden wollte.

Sie waren bereits in Indien und haben Ihr Patenkind besucht. Gibt es ein besonderes Erlebnis, das Sie seitdem begleitet?

Tief bewegt haben mich viele Einzelschicksale der Halb- und Vollwaisen. Ein 14-jähriges Mädchen aus dem Kinderdorf Manakudy hat mich besonders berührt. Ihre Mutter ist bei der Geburt gestorben. Als sie zwei Jahre alt war, starb ihr Vater und sie kam als Vollwaise zur Familie ihres Onkels. Ihre Tante misshandelte das kleine Mädchen grob und verkaufte sogar eine Niere. Daraufhin lief es weg und fand schließlich Zuflucht im Kinderdorf. Heute ist sie eine selbstbewusste junge Dame.

Sie haben gesagt, dass sich Ihr Leben verändert hat, seit Sie für den Verein tätig sind. Inwieweit?

Mich beeindruckt die positive Lebenseinstellung, mit welcher die Menschen ihr Schicksal meistern - wenn man sieht, wie glücklich die Waisenkinder im Waisenhaus oder Kinderdorf sind, obwohl ihr gesamter Besitz in nur eine Schublade passt. Sie sind glücklich, weil sie nicht mehr allein sind und die Möglichkeit zu einem Schulbesuch haben. Durch jährliche Reisen nach Indien kann ich einschätzen, dass die Hilfe ankommt. Ich spare gerne für eine neue Schulküche, damit die Kinder etwas zu Essen bekommen können. Oder für eine Photovoltaikanlage, dass sie abends noch lernen können. In Indien fällt nämlich fast jeden Abend der Strom aus.

Ich verzichte lieber auf eigenen Luxus, weil es mehr Freude macht, andere glücklich zu sehen. Außerdem kam ich für mich zu dem Ergebnis, dass Zufriedenheit nicht allein mit Blick auf sich selbst, sondern nur in der Gemeinschaft möglich ist.

Was hat Sie an der Arbeit des Vereins besonders angesprochen?

Da gibt es mehrere Aspekte, die genannt werden müssen:

Der persönliche Bezug zu dem Pfarrer Antony Soosei aus Georgenberg, der das Hilfsprojekt ins Leben gerufen hat (siehe Kasten).

Die Nähe zu den Kinder, denen geholfen wird. Und das Wissen, dass die Hilfe wirklich geschätzt wird.

Ich weiß, dass die Hilfe zu 100 Prozent ankommt.

Jetzt heißt es nicht mehr: ,Ich kann ja eh nicht helfen, das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.' Ich sehe, dass ich den Menschen helfen kann. Es lohnt sich auf jeden Fall.
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