Fusionspläne der Wirtschaftsschulen Weiden und Eschenbach sorgen für Diskussionen
Zwischen Aufbruch und Abriss

Die Gustl-Lang-Schule, die nach dem früheren Wirtschaftsminister benannte Staatliche Wirtschaftsschule in Weiden, wird im kommenden Jahr mit der Wirtschaftsschule Eschenbach zusammengelegt. Bild: Hartl

Rettung oder Anfang vom Ende? Nach der angekündigten Fusion der Wirtschaftsschulen Weiden und Eschenbach stellen sich viele rund um Eschenbach dieser Frage - und geben unterschiedliche Antworten.

"Ich bin geschockt." Annemarie Metz hält nichts von den Fusionsplänen, die der "Neue Tag" am Wochenende vorgestellt hat. Die frühere Schulleiterin und heutige Fördervereins-Vorsitzende kritisiert die "sehr vage" Begründung, glaubt nicht an versprochene "Synergieeffekte". "Damit geht das familiäre Verhältnis verloren, das unsere Schule stark gemacht hat."

Realistischer Blick

Ganz anders beurteilt Karin Schöcklmann die Entwicklung. Die stellvertretende Vorsitzende des Elternbeirats verweist auf die sinkende Schülerzahl. "Früher oder später hätte diese Entwicklung das Aus für die Schule bedeutet." Die Oberbibracherin setzt viel Hoffnung in Schulleiter Thomas Reitmeier. Er habe frischen Wind gebracht, neue Angebote initiiert und Fördermittel an die Schule geholt. "Wenn er sagt, der Zusammenschluss ist gut für die Schule, glaube ich ihm das."

Große Stücke auf Reitmeier hält auch Peter Lehr. "Dass er künftig die fusionierte Schule leitet, ist sicher positiv. Er ist ein Fürsprecher unseres Standorts." Er freue sich über Maßnahmen, die die Eschenbacher Schule erhalten sollen, sagt der Bürgermeister. Aber da sei auch ein "gewisses Unbehagen". Mit "einer Salamitaktik haben wir schon beim Krankenhaus schlechte Erfahrungen gemacht." Er hoffe, dass Ministerium und Regierung der Oberpfalz sich an ihr Bekenntnis zum Schulstandort erinnern, wenn es darauf ankommt. Nichts sagen wollte Karl Lorenz zu der Entwicklung. Der zweite Bürgermeister ist Lehrer an der Schule und möchte sich deshalb zurückhalten.

Schon länger in Sorge

Sorgen machen sich die Verantwortlichen seit Jahren. Demografischer Wandel und M-Zweig an den Hauptschulen sorgen für schrumpfende Schülerzahlen. Auch deshalb versuchte der damalige Schulleiter Walter Schnoy, Fachoberschulklassen ins Schulhaus der Wirtschaftsschule nach Eschenbach zu holen, um die Auslastung zu erhöhen. Der Versuch scheiterte allerdings an der geringen Nachfrage der Schüler. Auf ein weiteres Problem weißt Mutter Schöcklmann hin. Alle anderen Wege zur Mittleren Reife beginnen inzwischen in der fünften Klasse, nur bei der Wirtschaftsschule sei ein Übertritt erst zur siebten möglich. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die meisten potenziellen Schüler dann schon für einen anderen Weg zu dem Schulabschluss entschieden - und verlassen diesen nicht ohne Not.

Wer sich dennoch für die Wirtschaftsschule entschieden hat, muss dies in der Regel nicht bereuen. Schöcklmann berichtet von eigenen guten Erfahrungen mit der Schule als Mutter, aber auch als Schülerin. Die Atmosphäre sei tatsächlich sehr familiär und der Abschluss in der Region bestens anerkannt.
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