Ganz lieber Trost der Kinder

Die Kleinen im Kindergarten An der Allee liebten Tatiane Neumann. Die Tigergruppe verabschiedete sie mit Liedern und vielen Geschenken. Bild: cog

Brasilien - da denken die meisten an Sambatänzerinnen, Karneval und Amazonasdschungel. Eine ganz andere Seite dieses riesigen, vielfältigen Landes lernten die Mädchen und Buben im evangelischen Kindergarten An der Allee kennen: Zwölf Monate lang arbeitete dort die 25-jährige Tatiane Neumann.

Kurz vor ihrer Rückkehr nach Südamerika konnten wir sie interviewen.

Frau Neumann, wenn eine Brasilianerin nach Sulzbach-Rosenberg kommt, dann ist das etwas Besonderes. Wie ist das bei Ihnen?

Es war immer mein Traum, ein Jahr in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Möglich wurde es durch das "Programa Reverso" der evangelischen Kirchen in Bayern und in Brasilien, die eine Partnerschaft unterhalten. So konnte ich herkommen und wurde im Bundesfreiwilligendienst in der Gemeinde Christuskirche beschäftigt.

Warum ausgerechnet in Deutschland?

Ich habe nach meinen Wurzeln gesucht. Meine Urgroßeltern sind im 2. Weltkrieg von Deutschland nach Brasilien geflohen. Ich habe bestimmt hier noch Verwandte, aber ich kenne sie nicht. Übrigens müsste ich eigentlich Naumann heißen. Einmal ist nämlich im Standesamt ein Fehler passiert, aus a wurde e, und seitdem heißt mein Zweig der Familie Neumann.

In welchen Bereichen der Christuskirche wurden Sie eingesetzt?

Ich habe im Kindergarten An der Allee und bei der Evangelischen Jugend gearbeitet.

Sind Sie Erzieherin?

Nein, ich bin Lehrerin an der Universität und unterrichte Buchhaltung und Verwaltung. Vorher war ich auch in einer Bank tätig. Aber in meiner Kirchengemeinde habe ich immer Kinder- und Jugendarbeit gemacht. Trotzdem war es anfangs schwierig, als mein Deutsch noch schlecht war. Aber alle hatten viel Geduld mit mir.

Sind die deutschen Kinder anders als die brasilianischen?

Ja, in meiner Heimat sind sie temperamentvoller und körperlicher. Sie umarmen die Erwachsenen viel öfter. Aber hier sind die Kinder selbstständiger. Es hat mir Freude gemacht, ihnen von meiner Heimat zu erzählen. Es ist ja für ein Oberpfälzer Kind ganz unglaublich, wenn es hört, dass im Amazonasgebiet manchmal Krokodile über die Straße laufen. Außerdem habe ich mit den Kleinen auf Portugiesisch gesungen. Die fremde Sprache hat ihnen sehr gefallen. Um ihnen das brasilianische Essen näher zu bringen, haben wir einmal gemeinsam einen brasilianischen Gemüsekuchen gebacken und natürlich gegessen.

Sie haben hier aber doch sicher nicht nur gearbeitet?

Ich habe die Gelegenheit gerne genutzt und bin viel in Europa gereist. So lernte ich Paris, Amsterdam, Prag und viele andere Städte kennen. Mit dem gut ausgebauten Eisenbahnnetz war das doch ganz einfach.

Welche Unterschiede zwischen Deutschland und Brasilien haben Sie beobachtet?

Hier sind die Leute immer pünktlich, das gefällt mir. Aber es ist hier schwerer als in Südamerika, Freundschaft zu schließen. Trotzdem habe ich Freunde gefunden, und ich glaube, dass die Freundschaften hier tiefer gehen und dauerhafter sind.

Hatten Sie Heimweh?

Manchmal schon. Vor allem meine Eltern und meine beiden Brüder habe ich vermisst. Dann haben mich die Kinder im Kindergarten aber immer ganz lieb getröstet.

Was sind Ihre nächsten Schritte?

Jetzt fliege ich zurück nach Brasilien. Drei Tage nach Ankunft beginne ich wieder an der Uni zu arbeiten. Das Jahr in Sulzbach-Rosenberg hat mir sehr gut gefallen. Deshalb möchte ich auf jeden Fall nach Deutschland zurückkommen: Mein großer Traum ist es, hier meine Doktorarbeit zu schreiben.
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