Ganzer Ort "geht nimmer ham"

In Wolfsbach steppte der Bär. Also, das Sprichwort ist jetzt gemeint, nicht der Kirwabär - den gibt es natürlich auch, genauso wie die Kirchweih, die der Ort drei Tage lang zünftig gefeiert hat. Insofern gilt das geflügelte Wort gleich doppelt buchstäblich.

(sön) "Hoch die Goißn, richt's es as. Und dann an ganz kloan Schub - Hau-ruck!" So kommandierte am frühen Samstagnachmittag Baum-Meister Mathias Reinhardt zielgenau. Brütende Hitze drückte über Wolfsbach und es galt zunächst, den Baum für die Magdalenen-Kirchweih am Festplatz beim Feuerwehrhaus aufzustellen. Dabei setzten die Männer vom Kirwaverein und der Feuerwehr erneut ihren ganzen Ehrgeiz ein, schließlich ging es wieder darum, eine der schönsten Veranstaltungen im unteren Vilstal auf die Beine zu stellen.

"No an kloan Schub"

Und so zogen die Burschen schon um 6 Uhr los, um den von Martin Scharl gestifteten Stamm zu fällen und zu entasten. Die Kirwamoidln banden derweil drei Kränze und schmückten sie wie auch den Gipfelbuschen mit weiß-blauen Bändern. In den Baum selbst wurden Ortsname und Jahreszahl eingeschnitzt. "No an kloan Schub", befahl der Hias und der etwa 34 Meter lange Baum rutschte langsam in die Senkrechte. Die mehr als 30 Helfer mussten ihr Muskelschmalz spielen lassen und kamen kräftig ins Schwitzen. Und so hörte man neben diesen Kommandos zwischendurch auch immer wieder: "Jetz' müss' ma was trinka."

Die Kirwamoidln schleppten die vollen Maßkrüge herbei - ein großer Schluck - und nach nicht einmal eineinhalb Stunden stand der Stamm passgenau im Loch und konnte verkeilt werden. Fachkundige Zaungäste hatten aus sicherer Entfernung die Plackerei beobachtet, gaben gute Ratschläge und tranken mit den Burschen und Helfern noch eine schnelle Maß. Als am Abend dann die Paare ins Festzelt einzogen und riefen, "Wer hot die schönste Kirwa? - Mir hom die schönste Kirwa", war das Zelt bereits rappelvoll. Die "Quertreiber", bei denen auch zwei Wolfsbacher mitspielen, feilten so richtig auf. Als sie von der Rosamunde und ihrem Sparkassenbuch sangen, standen die Kirwaleit ebenso auf den Bänken wie die vielen Paare, die aus der Umgebung gekommen waren.

Da war der Bär los

Da war sprichwörtlich der Bär los. Und jeder brauchte zur süffigen Maß schon eine kräftige Unterlage, um durchzuhalten. Zu noch späterer Stunde konnte man aus der Bar singen hören: "Drei Tog, drei Tog gemma nimmer ham!"
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