Gar nicht babyleicht

Jutta Sehm (links) und Carola Reger (rechts) betreuten die Neuntklässler bei ihrem Elternpraktikum. Bild (jzk)

Sie weinen und schreien, wollen gefüttert, gewickelt und liebkost werden. Vor allem verlangen sie ständig nach Aufmerksamkeit. So ein Computer will ja schließlich auch umsorgt werden.

Kemnath. (jzk) Der steckt wiederum in einer lebensechten Puppe - einem Babysimulator. Damit sollen Jugendliche den Umgang mit einem Säugling lernen.

Die Puppen sehen wie ein echtes Baby aus, sind aber kein Spielzeug für kleine Mädchen. Ihr Innenleben besteht aus einem Computer. Der registriert genau jede gute Versorgung, Vernachlässigung oder schlechte Behandlung. Diese Aufzeichnungen sind die Grundlage für die abschließende Auswertung durch Fachkräfte.

Wie ein echtes Kind muss der Simulator regelmäßig mit Babynahrung versorgt und beruhigt werden. Manchmal möchte das "Baby" auch geschaukelt und gestreichelt werden, manchmal muss es aufstoßen. Dann macht es sich durch realistische Laute bei seinen "Eltern" bemerkbar.

15 Schüler (8 Paare) aus den vier neunten Klassen der Mittelschule beteiligten sich freiwillig am Projekt "Elternpraktikum". In die Organisation eingebunden waren die Jugendsozialarbeit und das Gesundheitsamt Tirschenreuth. Ansprechpartner für die Neuntklässlerinnen waren Jutta Sehm vom Gesundheitsamt Tirschenreuth und die Sozialpädagogin Carola Reger von der Grund- und Mittelschule. Sie ist dort für die Jugendsozialarbeit verantwortlich.

Für eine kurze Zeitspanne schlüpften die Jugendlichen in die für sie völlig ungewohnte Mutter- beziehungsweise Vaterrolle. Unter realistischen Bedingungen konnten sie ihre Fähigkeiten im Umgang mit einem neugeborenen "Kind" erproben. Der Tagesablauf, der programmiert wird, beruht auf Aufzeichnungen von den Eltern von Neugeborenen. Der Simulator meldet sehr realistisch die Bedürfnisse eines echten Säuglings. Die jeweilige "Mutter" trägt den passenden ID-Chip fest am Handgelenk. Die Versorgung kann daher nicht an jemand anderen abgegeben werden.

Vier Tage und drei Nächte lang kümmerten sich jeweils zwei Jugendliche um ihren "Nachwuchs". "Ziel unseres Projekts war es, den Mädchen bewusst zu machen, dass die Elternschaft eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe ist, die viel Geduld, Durchhaltevermögen und Disziplin erfordert", erklärte Carola Reger.

Nach den anstrengenden Tagen und Nächten gaben die "Eltern auf Zeit" ihre Verantwortung wieder ab. Bei der Abschlussbesprechung im Mehrzweckraum der Grundschule konnten sie ihren Betreuungspersonen ihr Herz ausschütten und untereinander ihre Erfahrungen austauschen.
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