Gas gegen das große Fressen

Nein, das ist kein Schmutz neben den Kirchenbänken, sondern Holzstaub. Im Gebälk der Pfarrkirche tummeln sich die Schädlinge. Eine Fachfirma rückt ihnen noch vor Pfingsten mit Gas auf den Leib. Bild: sck

Andächtig feierte die Pfarrgemeinde St. Johannes neben der Wiederübernahme der Kirche auch das Osterfest, den Weißen Sonntag mit der Erstkommunion und zuletzt das Konzil der Resurrektionisten im frisch restaurierten Gotteshaus. Die Gesamtsanierung ist jedoch noch nicht beendet.

Das Gotteshaus schließt vom 18. Mai bis 23. Mai seine Pforten. Eine Reinigung der Orgel wie auch ein Schutz für alle Holzteile in der Kirche vor Holzschädlingen war von Beginn an als notwendig erachtet worden und ist Bestandteil des Sanierungsplanes. Diese Arbeiten waren auch in vollem Umfang in den Sanierungskosten einkalkuliert.

Schädlinge sind aktiv

Mit den milderen Frühlingstemperaturen machen sich nun aber auch die Holzschädlinge wieder bemerkbar. Deutliche Spuren des Befalls waren an den Altären und dem Kirchengestühl festgestellt worden. Die Tierchen haben auch schon eifrig Bohrmehl produziert. Zwar wurde es bis jetzt beim Kirchenputzen wieder beseitigt. Doch zum Schutz der gesamten Holzeinrichtung der Pfarrkirche vor dem Schädlingsbefall muss etwas getan werden. In der Woche vor dem Pfingstfest gibt es eine Gasbehandlung des ganzen Gotteshauses.

Federführend in der Planung ist das Architekturbüro Hartmut Schmitt aus Hollfeld. Als renommierte Firma wurde die Binker Materialschutz GmbH aus Lauf, ein Fachbetrieb für Holzschutz, Begasung, Schwammsanierung und Schädlingsbekämpfung, beauftragt.

Die Firma ist der Kirchenverwaltung und dem Pfarrgemeinderat hinreichend durch die Zusammenarbeit bei Kirchensanierungen im Seelsorgebereich bekannt. Sie übernahm auch die Arbeiten in der Friedhofskirche und kann auf umfangreiche Referenzen wie etwa Schädlingsbekämpfung in der Wallfahrtsbasilika Gößweinstein verweisen.

Ihr Leistungsspektrum beinhaltet auch die in der Pfarrkirche erforderliche Altarion-Viklean-Begasung mit dem Wirkstoff Sulfuryldifluorid (Infokasten). Eine externe Begasung einzelner Holzteile wie etwa des Kirchengestühls während der Baumaßnahme erwies sich bereits bei der Planung als ungünstig. Der Abbau des festen Inventars wie etwa des Hochaltars ist nicht möglich, erklärte das Architekturbüro Schmitt gegenüber unserer Zeitung. "Dieses Vorgehen wäre auch total unüblich gewesen."

Zweckmäßiger sei, das gesamte hölzerne Inventar in der Pfarrkirche zusammenzutragen, um dann in der Kirche die Begasung zu machen. Auch in Gegenständen, die sich nur zeitweise in der Kirche befinden, werden so die vier bis sechs Zentimeter große Larven der ebenso großen Holzkäfer, der Anobien, abgetötet. Kirchenpfleger Wilhelm Schelz betont, dass das Landesamt für Denkmalschutz ebenfalls zugestimmt hat.

Vollständig abgedichtet

Am Montag, 18. Mai, wird nach der Sperrung das Gotteshaus vollständig abgedichtet, so dass kein Gas, das für die Schädlingsbekämpfung in das Gotteshaus eingeleitet wird, entweichen kann. Die Aktion wird streng überwacht. Auch Kontrollmessungen im Umfeld der Pfarrkirche gehören dazu.

Nach der Schutzmaßnahme erfolgt bis Samstag, 23. Mai, eine gründliche und restlose Absaugung des Gases. Anschließend kann die Kirche wieder gefahrlos für die Feier des Pfingstfestes betreten werden.
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