Gasthof "Zum Bären" vor Abbruch

Der "Bären"-Komplex - dazu gehört auch das gelbe Anwesen - soll abgebrochen werden und so Platz für Wohnbebauung machen. Aber noch stellt sich der Denkmalschutz quer. Bild: Huber

Der Stadtrat trifft am Dienstag, 3. November, eine weitreichende Entscheidung: Nach Jahren des Stillstands soll in den "Bären" wieder Leben einkehren. Aber noch stellt sich das Landesamt für Denkmalschutz quer.

Neustadt/WN. (ms) Der Gasthof auf dem Stadtplatz - zwischen Pfarrkirche St. Georg und Lobkowitzerschloss - war lange Zeit die erste Adresse am Ort. Seit September 2008 steht das Traditionslokal mit Saal und Biergarten leer. Der letzte Pächter, Franz Merkl aus Weiden, hat der Stadt nach nicht einmal sechs Jahren den Rücken gekehrt.

Seitdem schlummert der "Bärenwirt" im Dornröschenschlaf. Die Eigentümer, die Mühlhofer Immobilien GmbH & CoKG, haben offenbar kein Interesse, dem Gebäude selbst neues Leben einzuhauchen. Das Rathaus beobachtete die Entwicklung mit Sorge. Bürgermeister Rupert Troppmann hat großes Interesse, dass das markante Gebäude nicht länger leersteht. Seit Jahren ist er auf der Suche nach einem Investor.

Stammtisch ade

Jetzt scheint er fündig geworden zu sein. Er hat einen Weidener Unternehmer, der bereits große Erfahrung mit der Sanierung von Altstadtgebäuden hat, an der Angel. Dieser ist bereit, mehrere Millionen Euro für die Revitalisierung des einstigen Aushänge-Gasthofs locker zu machen. Allerdings denkt er nicht an die Weiterführung als Lokal, sondern an Wohnungen. Fast direkt gegenüber hat dies in den ehemaligen Sparkassenhäusern der Altenstädter Unternehmer Jürgen Kutscher mit Erfolg vorgemacht.

Der Investor hat Antrag auf Abbruch des "Bären" gestellt. Darüber muss der Stadtrat am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung entscheiden. Rathauschef Troppmann hofft, dass er dafür einstimmig grünes Licht bekommt. Dann, so das Stadtoberhaupt, habe der Bauherr Klarheit und könne in die Planung einsteigen.

Allerdings ist ein Konflikt mit dem Landesamt für Denkmalpflege vorprogrammiert. Referent Raimund Karl will laut Troppmann einem Abriss entgegen früherer Zusagen plötzlich nicht mehr zustimmen. Karl führt denkmalschützerische Bestandteile an, unter anderem eine Holzdecke.

Troppmann ist stocksauer. Er verweist darauf, dass das Wirtshaus (Stadtplatz 26) nicht auf der Denkmalschutzliste des Landesamtes enthalten sei. Es unterliege lediglich dem Ensembleschutz. Nur das Nebengebäude Stadtplatz 28 - es gehört mit zum "Bären"-Komplex - stehe mit dem rückwärtigen Teil, einem wohl spätmittelalterlichen Reststück der Stadtbefestigung, unter Schutz.

Bausubstanz vernichtet

Der "Bärenwirt" sei ständig umgebaut worden. Daher habe 1982 der damalige Konservator Paul Unterkircher heftig moniert: "Die Baumaßnahme bedeutet für das giebelständige, zweigeschossige Bürgerhaus eine nahezu vollständige Vernichtung seiner historischen Bausubstanz, die trotz des hier 'nur' gegebenen Ensembleschutzes mit Entschiedenheit abgelehnt wird." Weiter beklagte der Denkmalschützer in dem Brief den Einsturz eines Kreuzgewölbes und die Neukonstruktion des Dachstuhles. Für die Stadt ist damit klar, dass die denkmalschützerischen Voraussetzungen schon 1982 nachhaltig zerstört worden sind.

Troppmann erinnert an die Bemühungen, den Stadtplatz als Zentrum lebendig und attraktiv zu gestalten. Allein 4,5 Millionen Euro kostete der neue Stadtplatz. Nun sei es von grundsätzlicher Bedeutung, den "Bären" wieder mit Leben zu erfüllen. Weder historische Bausubstanz noch "Alt-Neustadt" würden verschwinden. Der Kommunalpolitiker hofft daher auf eine einvernehmliche Lösung mit dem Denkmalschutz.

Auch Eigentümerin Traudl Mühlhofer würde es begrüßen, wenn wieder Leben in den Leerstand "Bären" kommt, bestätigt Armin Meßner von der Firmengruppe Hofbauer. Über einen Verkaufspreis sei allerdings noch nicht gesprochen worden.
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