"Gauner und Ganoven"

Ein Wechselbad der Gefühle durchlebten die Besucher des Infoabends der Bürgerinitiative "Gegen Windkraftanlage Gramlhof" im Gasthaus Bayer. Rechts im Bild: Regina Kestel vom Landratsamt Tirschenreuth. Bilder: njn

Siegfried Wieder schlägt Alarm: "Heute muss die Windkraftenergie genauso hinterfragt werden, wie vor gut 30 Jahren die Atomenergie. Sie ist nicht so rosig und goldig, wie sie auf den ersten Blick aussehen mag", warnt der Sprecher der Bürgerinitiative "Gegen Windkraft bei Gramlhof". Das sehen offenbar nicht alle Bürger der Region so.

Beim Info-Abend im Gasthof Bayer ging es stellenweise hoch her. Was an diesem Abend leider fehlte, war der direkte Bezug zur geplanten Windkraftanlage (Infokasten). Bevor die Referenten das Wort hatten, ging Sprecher Siegfried Wieder auf die Bürgerinitiative ein, die im März dieses Jahres ins Leben gerufen wurde.

"Eine 1,5 Hektar große Fläche ist aus dem Landschaftsschutzgebiet Ostmarkstraße-nördlicher Teil herausgenommen worden, damit die Windkraftanlage gebaut werden kann", stellte er fest. Die BI befürchtet beim Betrieb einer Windenergieanlage bei Gramlhof gesundheitliche Schäden durch Lärm, Schattenschlag, Infraschall und Eiswurf sowie Landschaftsverschandelung und die Zerstörung des Landschaftsschutzgebietes.

Kommen noch mehr?

Vorsitzender Johannes Bradka vom Verein "Unser Hessenreuther Wald" sicherte der Bürgerinitiative Unterstützung zu: "Wir dürfen unsere schöne Heimat nicht zerstören. Denn es bleibt nicht bei einem Windrad." Die für Windkraftanlagen zuständige Abteilungsleiterin am Landratsamt Tirschenreuth, Regina Kestel, ging auf den allgemeinen Ablauf eines Genehmigungsverfahrens bei Windkraftanlagen ein, ohne dabei in das laufende Projekt einzugreifen. Nach ihrer Aussage haben der Landkreis Neustadt/WN und die Stadt Erbendorf ihr Einvernehmen erteilt.

Goldene Zukunft?

Zur sogenannten 10H-Regelung führte Kestel aus, dass damit der Mindestabstand des zehnfachen der Anlagenhöhe zur Wohnbebauung gemeint sei. Sie schränkte aber ein, dass Vorhaben im Außenbereich nicht darunter fallen. "Ebenso findet diese Regelung keine Anwendung, soweit der Antrag vor dem 4. Februar 2014 gestellt wurde.

Doch trete diese Regelung Ende des Jahres außer Kraft. Siegfried Wieder ergänzte, dass nach dem aktuellen Stand die immissionsschutzrechtliche Genehmigung und die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung derzeit laufe. "Man verspricht uns die goldene Zukunft." Mit diesen Worten stieg der Biologe und Windkraft-Gegner Dr. Friedrich Buer aus Neustadt/Aisch in seinen Vortrag "Windmühlen - Zumutung für Menschen und Natur" ein. n wartete Dr. Buer mit Zahlen auf. "Am 16. Juli wurden um 21.30 Uhr wurden exakt 71 734 Megawatt Strom benötigt, geliefert wurden aber nur 340 Megawatt aus Windenergie", so der Biologe.

"Wenn wir uns auf die Windenergie verlassen würden, bricht die Stromversorgung zusammen. Mit unserer Windenergie fördern wir die Atomkraftwerke in anderen Ländern." Deutschland sei mit seiner Windkraftpolitik nicht "Vorreiter sondern "Geisterfahrer." Seinen recht scharfzüngigen Vortrag nahmen viele Zuhörern nicht gerade positiv auf. Teilweise erzeugten Dr. Buers Äußerungen großes Raunen, so dass der Referent mehr zu verstehen war. Da musste Johannes Bradka schon mal mit der Faust auf den Tisch schlagen, damit wieder Ruhe im Saal einkehrte.

Keine Frage erlaubt

Vor allem störte die Zuhörer, dass Buer seine Thesen nicht durch Fakten unterfütterte. Zwischenfragen ließ er nicht zu. Was die Besucher des Abends auch vermissten, war ein direkter Bezug zu Gramlhof. Dafür beschimpfte der Referent die Vertreter Windenergiewirtschaft als "Banditen, Gangster, Gauner und Ganoven."

Kein gutes Haar ließ der Referent auch am Bund-Naturschutz, der Werbung für Windenergie mache. Nicht zuletzt sprach Buer die Wertverluste bei Immobilien und das Problem des Infra-Schalls an. "Menschen können ihn nicht hören und davon wird man krank. Bei Windenergie ist Widerstand Bürgerpflicht."
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