Gebäudereinigung im Visier - Appell der Gewerkschaft
Strenger kontrollieren

Schwandorf. Der Zoll soll einen strengeren Blick darauf werfen, ob im Kreis Schwandorf "sauber geputzt" wird. Das fordert die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU Oberpfalz. Lediglich 41 Kontrollen bei Gebäudereiniger-Firmen habe es im vergangenen Jahr im gesamten Bezirk des Hauptzollamtes Regensburg gegeben. Insgesamt habe die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls in der Region allerdings 2.189 Kontrollen durchgeführt, so die Gewerkschaft.

Die Kontrollquote in der Reinigungsbranche macht der IG BAU Bauchschmerzen: "Gerade in der Gebäudereinigung haben wir es oft mit Lohn-Dumping und extremer Ausbeutung bei den Arbeitszeiten zu tun - mit Mehrarbeit, die nicht bezahlt wird. Wenn sich der Zoll aber nur mit 1,9 Prozent seiner Kontrollen um die Reinigungsbranche kümmern kann, dann haben es die schwarzen Schafe bei den Arbeitgebern besonders leicht, unterzutauchen", sagt Herbert Allert. Der Gewerkschaftssekretär der IG BAU Oberpfalz hat es insbesondere auf die Kontrollen des speziellen Mindestlohns für das Gebäudereiniger-Handwerk abgesehen: "Keine Reinigungskraft, die Büros sauber macht, darf unter 9,55 Euro pro Stunde verdienen. Und kein Fensterputzer darf mit einem Stundenlohn von unter 12,65 Euro nach Hause gehen".

Die IG BAU Oberpfalz fordert mehr Kontrolleure für den Zoll: "Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit macht einen wichtigen Job. Dafür braucht sie aber auch ausreichend Personal" sagt Herbert Allert. Durch Zoll-Kontrollen werde der "Wildwuchs" offensichtlich: Bei vielen der Reinigungsfirmen, die im vergangenen Jahr vom Zoll Regensburg kontrolliert wurden, habe die FKS Sozialmissbrauch aufgedeckt. Die Beamten registrierten 113.400 Euro nicht gezahlter Sozialabgaben. "Das ist Geld, das den Renten-, Kranken- und Pflegekassen fehlt. Ebenso der Arbeitslosenversicherung", macht Allert deutlich. Die IG BAU beruft sich bei den Zoll-Zahlen auf eine Anfrage des SPD-Bundestagsabgeordneten Manfred Zöllmer.

Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft appelliert an den Zoll, bei seinen Kontrollen im Kreis Schwandorf "nicht nur die Arbeitszeiten nach Papierlage zu prüfen", sondern auch konkret nachzufassen, wie viele Stunden tatsächlich bezahlt und unbezahlt Mehrarbeit geleistet werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.