Geburtstagsfete am Steinberger See läuft völlig aus dem Ruder - Blutige Schlägerei ein ...
Schwerverletzte nach der Party mit dem "King"

Schwandorf. (hwo) Der "King", wie ihn Freunde nennen, hielt Hof und lud zur Geburtstagsfeier. Doch dann lief die Party am Steinberger See komplett aus dem Ruder. Es kam zu Szenen, die nahe des Landfriedenbruchs angesiedelt waren. An mehreren Stellen wurde erbittert gekämpft, es gab eine Reihe von Leicht- und Schwerverletzten.

Die junge Dame auf dem Zeugenstuhl drehte sich im Gerichtsaal abrupt nach rechts, deutete auf einen der beiden Angeklagten und sagte: "Dann ist der da einmarschiert!" Eigentlich hätte sie ja, wie alle anderen Gäste einer Geburtstagsfeier am Steinberger See, gar nichts von sich geben wollen. Doch das vereinbarte "Es bleibt alles unter uns" ließ sich nicht umsetzen. Denn schon im Vorfeld hatte die Staatsanwaltschaft - ein sehr ungewöhnlicher Vorgang - alle Beteiligten zur Vernehmung einbestellt. Der Grund: Vor der Polizei gaben sich alle schweigsam. Da musste Druck ausgeübt werden.

Ein Julitag im Jahr 2013. Zur Geburtstagsfeier eines jungen Mannes erschienen Gäste aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus am Steinberger See. Nachmittags ging's los, bei Einbruch der Dämmerung loderte ein Lagerfeuer, bruzzelte Leckeres am Grill. Eine zünftige Party. Bis plötzlich gegen Mitternacht ein 27-Jähriger mit gebrochenem Kiefer und ausgeschlagenen Zähnen auf dem Festplatz stand.

Verstärkung geholt

Er schnappte sich sein Handy, holte Verstärkung. Die kam dann schon ein paar Minuten später in Gestalt zweier Männer, die zu dieser nächtlichen Stunde am Steinberger See angelten, sich zu ihrem Freund fahren ließen und dann - dieser Eindruck drängte sich auf - wie eine Art Rollkommando die Party sprengten. Ein heute 34-Jähriger, der sich im Wald noch mit einem Knüppel bewaffnet hatte, übernahm das Kommando. Sein Begleiter, 31 Jahre alt, blieb eher in der Defensive.

Was folgte, um eine weitere Zeugenaussage zu zitieren, war "krass". Der 34-Jährige wollte lautstark wissen, wer denn für den Kieferbruch des 27-Jährigen verantwortlich sei und soll sich dabei wie ein Berserker aufgeführt haben. Daraufhin flüchteten zahlreiche Geburtstagsgäste entsetzt in den Wald. Einige von ihnen sollen gleich danach an den Ohren aus Gebüschen gezerrt worden sein. Andere wiederum versteckten sich und sahen nicht, wie der seinen Stock schwingende Mann einem aus der Partyrunde einen wuchtigen Kopfstoß versetzte und ihn ohrfeigte. "Der blanke Wahnsinn" (auch eine Zeugenaussage) ging weiter. Drei Männer und eine Frau mussten sich auf eine Bank setzen und wurden peinlichsten Befragungen unterzogen. Da kam es dann, wie die Richtern Petra Froschauer vernahm, zu einer ersten blutigen Schlägerei. Danach zogen sich die beiden "Einmarschierer" zurück und gingen in der Dunkelheit zu einem Parkplatz, auf dem ihr nichts ahnender Fahrer gewartet hatte.

Gehirnblutung, Brüche

Jetzt wendete sich das Blatt plötzlich. Einige der Geburtstagsgäste hatten zur Verfolgung angesetzt. Sie fielen über das Duo her und richteten es übel zu. Am schlimmsten erwischte es den 31-Jährigen. Durch Tritte und Hiebe gegen den Kopf erlitt er eine Gehirnblutung und Brüche mehrerer Gesichtsknochen. "Ich kann mich an nichts mehr erinnern", sagte er jetzt vor Gericht und von der Anklagebank aus. Auch ihm wird wie dem 34-Jährigen gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Gegen seine Peiniger sind die Verfahren noch anhängig.

Ein schwieriger Fall für die Richterin. Weit über ein Dutzend Zeugen hat sie unterdessen vernommen. Manche der Partygäste hatten gerade Ausgang aus dem Bezirkskrankenhaus. "Einige", so ein Kriminalbeamter, "standen mit 40 Einträgen bei uns im Register." Der "Rachefeldzug" am See bringt nun einen zweiten Prozesstag im April mit sich. Weitere Zeugen müssen kommen. Vielleicht können sie hilfreich sein bei der Klärung, wer nun auf wen eindrosch, als der "King" Geburtstag feierte.
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