Gedenken zum Volkstrauertag noch immer wichtig
An das Leid erinnern

Bei der Feier zum Volkstrauertag in Wildenreuth legte Erbendorfs Bürgermeister Hans Donko gemeinsam mit Pfarrer Manuel Sauer einen Kranz am Ehrenmal nieder. Bild: njn
"In uns Menschen schlummert das Böse und erwacht immer wieder." Das hob der evangelische Pfarrer Manuel Sauer beim Volkstrauertag in Wildenreuth hervor. "So war es in der Vergangenheit und so ist auch noch heute." Bei der Gedenkstunde am Kriegerdenkmal in der Dorfmitte erinnerte Bürgermeister Hans Donko daran, dass gerade das Jahr 2014 im Gedenken einen besonderen Stellenwert habe.

Die Dorfgemeinschaft beging im Anschluss an den evangelischen Gottesdienst in der St.-Jakobus-Kirche am Kriegerdenkmal würdig den Volkstrauertag. Für Pfarrer Manuel Sauer war es in Wildenreuth seine erste Ansprache. "Es ist eine gute Tradition, dass wir uns am Volkstrauertag versammeln, um derer zu gedenken, die in beiden Weltkriegen ihr Leben lassen mussten", stellte er fest. Es sei auch gut, dass das Volk einmal im Jahr innehält und sich daran erinnert. Sauer bezeichnete den Ersten Weltkrieg als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Der Zweite Weltkrieg war noch grauenvoller. "Es ist wichtig, an das Leid, das unser Volk in den beiden Kriegen in die Welt hinausgetragen hat, zu erinnern", so der Pfarrer. "Um ihrer und unserer Willen dürfen sie nicht vergessen werden, wenn auch die Zeit fortschreitet." Die Opfer zeigten auf, wie jeder Einzelne, aber auch das ganze Volk, die Verantwortung tragen, damit ein solches Leid nie wieder geschehe.

Auch an das Heute denken

Dieser Tag solle aber nicht nur ein Erinnern sein, sondern auch bewusst machen, was wir heute erleben. So lebe totgeglaubtes Denken in Europa wieder auf. Minderheiten eine Stimme zu geben, stellen manche Staaten in Frage. Ein friedliches Miteinander gestalten werde als Schwäche gedeutet.

Sauer warnte davor, durch die Verschiebung von Ländergrenzen wieder alte Feindbilder aufleben zu lassen. "Das sollte uns zu denken geben als Deutsche, Europäer und als Christen, die wir Verantwortung übernehmen, für den Frieden einzutreten." Nicht zuletzt sprach der Pfarrer das Flüchtlingsthema an. "Leben wir ein friedliches und freundliches Miteinander in unserem Dorf und heißen in unserem Land auch die willkommen, die auf der Flucht sind wegen Krieg und Gewalt."

Bürgermeister Hans Donko hob die Jahrestage Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren sowie den Fall der Mauer vor 25 Jahren hervor. Er betonte, dass Freiheit nicht selbstverständlich sei. "Sie ist immer in Gefahr, durch die Interessen der Wirtschaft, der Politik und der Religion bedroht zu werden." Als Beispiel nannte Donko die Krisenherde im Nahen Osten, wo es unter dem Deckmantel der Religion nur um Machtstreben gehe.

Die Politik hinterfragen

"Wenn wir uns an die Ereignisse von damals zurückbesinnen, dann wird klar, warum wir den Volkstrauertag begehen", sagte Donko. "Die Namen am Kriegerdenkmal mahnen uns, die aktuelle Politik zu hinterfragen und unser eigenes Leben zu beleuchten, um damit eine Lehre daraus ziehen zu können.

Gemeinsam legte Bürgermeister Donko mit Pfarrer Sauer unter den Klängen des evangelischen Posaunenchors einen Kranz am Kriegerdenkmal nieder. Donko sprach im Anschluss allen an der Gedenkveranstaltung Beteiligten Dank aus, so dem Posaunen- und Kirchenchor, der Feuerwehr, den Stadtratsmitgliedern sowie der Ehrenwache der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Erbendorf und nicht zuletzt den anwesenden Bürgern.
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