Gegen Krieg der Generationen

Ihren Wechsel vom "Teenie- ins Twen-Alter" feierten die Oberpfälzer SPD-Senioren "60 plus" im Turmrestaurant Obermeier in Klardorf. Sie sind mit 20 Jahren zwar die jüngste, mit aktuell 4600 Mitgliedern aber die stärkste Arbeitsgemeinschaft im SPD-Bezirk.

Schwandorf. (rid) 150 Jahre SPD, aber nur 20 Jahre "60 plus": Der langjährige Bezirksvorsitzende Gerhard Kulig erinnerte an die Arbeit loser Seniorengruppierungen, bis der Bundesvorstand der Partei zur Erkenntnis kam, den älteren Mitgliedern eine Plattform bieten und ihnen mehr Gewicht verschaffen zu müssen. Am 26. März 1994 erfolgte im Bahnhofsrestaurant in Schwandorf die Gründung der Arbeitsgemeinschaft "60 plus" auf Bezirksebene. Es bildeten sich in der Folgezeit Unterbezirke in Amberg, Regensburg, Schwandorf und Weiden. Als Gerhard Kulig 2002 den Vorsitz übernahm, hatte die Arbeitsgemeinschaft 4867 Mitglieder.

Viele Kritikfelder

2006 schrieben die SPD-Senioren die ersten Protestbriefe an den Parteivorstand und brachten ihre Unmut über den Sozialabbau zum Ausdruck. Sie boten den Rechtsradikalen die Stirn, kämpften gegen Altersarmut und gegen die Rente mit 67. Sie forderten den Ausstieg aus der Atomenergie.

"Wir haben vom Parteivorstand immer wieder mehr linke Politik eingefordert", erinnerte Gerhard Kulig in seinem Rückblick. Auf einen "Generationenkrieg" zwischen Alt und Jung haben sich die SPD-Senioren nie eingelassen. Denn, so Kulig: "Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen". Derzeit seien die Mitglieder dabei, ihre Vorstellungen zur Zukunft der Gesellschaft in einem Positionspapier zu formulieren. Jella Teuchner ist seit 2003 Landesvorsitzende der SPD-Senioren. Die Erfahrung der einstigen 68er-Generation habe die Partei sichern wollen und Strukturen zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft "60 plus" geschaffen, so die frühere Bundestagsabgeordnete aus Passau. Die Senioren könnten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Gemeinwesens leisten, denn in ihnen stecke eine Menge Kraft, so Teuchner. Für MdB Marianne Schieder steht der Sozialstaat vor großen Herausforderungen. "Wir müssen den rüstigen älteren Menschen das Ehrenamt noch mehr schmackhaft machen", betonte die SPD-Abgeordnete.

Sich einmischen

Sie ermunterte die Senioren, sich in die aktuelle Diskussion um die Sterbehilfe einzumischen und ihre Vorstellungen zu artikulieren. Marianne Schieder ist gegen einen medizinisch assistierten Suizid, "weil die Erlaubnis dazu schwerkranke Patienten unter Druck setzen würde".
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