Gemälde und Grafiken

Ludwig Hammer aus Weiden verwaltet in seiner Galerie in Regensburg einen Großteil des Nachlasses von Hélène de Beauvoir. Bild: wsu

Hélène de Beauvoir und Ludwig Hammer, das ist eine Geschichte für sich. Der Regensburger Galerist verwaltet den Nachlass der Malerin und verhilft ihr posthum zum Erfolg.

Ständig quälen mich die Leute. Und das alles wegen des Buches." Jetzt ist es raus. Ludwig Hammer entfährt ein Seufzer. Grundsätzlich macht der Regensburger Galerist seine Arbeit ja voller Leidenschaft. Und mit Erfolg: Hélène de Beauvoir, die der Regensburger Galerist als Künstlerin groß herausbringen will, ist drauf und dran, ein Superstar zu werden.

Die Karriere, die die 2001 verstorbene Schwester von Simone de Beauvoir nach ihrem Tod noch macht, fällt auch auf Ludwig Hammer zurück. Der Galerist verwaltet einen Großteil des künstlerischen Schaffens Hélène de Beauvoirs. Und er hat an zwei Büchern mitgearbeitet: Ein Bildband im Hirmer Verlag stellt Hélène de Beauvoir nun öffentlichkeitswirksam vor. Eine deutsche Übersetzung ihrer Autobiografie im Verlag Elisabeth Sandmann gibt außerdem persönliche Einblicke in ihr Leben.

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Beide Bücher brachte die Kunsthistorikerin Karin Sagner heraus - mit fleißiger Unterstützung durch Ludwig Hammer. Und bei dem stehen nun die Leitungen nicht mehr still. "Kürzlich war die Vogue da, dann die art, unlängst auch der Bayerische Rundfunk." Wenn Ludwig Hammer die großen Medien aufzählt, die seiner Hélène Berichte widmen, dann klingt er etwas erschöpft, vor allem aber eines: stolz.

Ludwig Hammer steht in seiner Galerie in der Regensburger Altstadt und blickt sich um. Rings um ihn an der Wand: die farbenfrohen Gemälde und Grafiken von Hélène de Beauvoir - "das Spätwerk ist noch nicht richtig erforscht", sagt Hammer und deutet auf eine Gruppe stilistisch abweichender Bilder. Vor ihm auf dem Boden: ein Koffer mit wertvollen weil äußerst persönlichen Erinnerungen - "das muss alles noch aufgearbeitet werden", Ludwig Hammer blättert in alten Briefen und Zeitungsberichten. Neben dem Galeristen auf dem Stuhl: die zwei unlängst erschienenen Bücher mit den Titeln "Die Malerin Hélène de Beauvoir" und "Hélène de Beauvoir. Souveniers" - "es waren zwei Jahre harte Arbeit, an zwei Büchern gleichzeitig mitzuarbeiten", jetzt wirkt Hammer schon ganz schön erschöpft. Der Galerist seufzt ein weiteres Mal.

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Spätwerk aufgekauft

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Es klingt nach Stress. Aber Ludwig Hammer hat es nicht anders gewollt. Im vergangenen Herbst hat der Galerist das Spätwerk Hélène de Beauvoirs aufgekauft. Und somit eine Entwicklung besiegelt, die schon vor langer Zeit begonnen hat: genau genommen in dem Moment, als sich ein junger Mann und eine elegante Dame auf einem Dampfer zwischen Japan und Russland begegneten.

Ein Kontakt fürs Leben wurde damals geknüpft zwischen Ludwig Hammer und Hélène de Beauvoir, denn um diese beiden handelte es sich bei den Schiffspassagieren. Viele Jahre, zahlreiche gegenseitige Besuche und ungezählte Stunden der künstlerischen Auseinandersetzung später ist Ludwig Hammer ein großer Kenner Hélène de Beauvoirs.

Und nach wie vor voller Begeisterung. "Sie war so bescheiden." Ludwig Hammer kramt in dem Koffer voller Erinnerungen, der vor ihm auf dem Boden steht. Zeitgenössische Berichte und Kritiken über Ausstellungen Hélène de Beauvoirs, die voll des Lobes sind über die 1910 geborene Malerin: "Andere Künstler hätten das gerahmt und an die Wand gehängt", meint Hammer. "Sie hat es einfach in eine Kiste geworfen." Der Galerist lacht in sich hinein und schüttelt den Kopf bei der Erinnerung an die von ihm so bewunderte Grande Dame.

Die allgemeine Aufmerksamkeit, die Hélène de Beauvoir derzeit zuteil wird, kommt für Ludwig Hammer nicht überraschend. Schließlich war sein Schützling schon zu Lebzeiten erfolgreich. Lob kam damals von höchster Stelle. "Picasso war Gast auf ihrer ersten Ausstellung", das wird Ludwig Hammer nicht müde zu erzählen, wenn es um das Leben und Schaffen Hélènes geht. "Und er war begeistert von ihren Arbeiten."

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Besondere Beziehung

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Anekdoten hat Ludwig Hammer viele parat über Hélène de Beauvoir. Dass sie sich von ihren Eltern benachteiligt fühlte und ständig die große Vorzeigeschwester vor Augen hatte, ist auch in den Büchern zu lesen. Ebenso aber auch die Schilderung der besonderen Beziehung zwischen Hélène und Simone, die sich ihr Leben lang eng verbunden waren.

"Hélène war die sanftere der beiden Schwestern", sagt Ludwig Hammer. An Selbstbewusstsein mangelte es ihr dabei nicht. "Feministin war ich lange vor meiner Schwester", hat die Künstlerin einmal klar gestellt.

Weibliche Stärke zeigte Hélène de Beauvoir zunächst bei ihrer Motivwahl - Frauen kommen bei ihr immer wieder vor, sei es als Landarbeiterinnen oder als Freiheitskämpferin. Ihre eigene berufliche Hinwendung zur Malerei war für die Tochter einer bürgerlichen Pariser Familie nicht gerade selbstverständlich. "Ich habe immer getan, was ich wollte." Die deutlichen Aussagen Hélènes belegen den eigensinnigen Kern hinter der Fassade der eleganten Frau, die auf Fotografien so freundlich ins Bild lächelt.

Selbstbewusst in seiner Weiblichkeit ist auch der Stil der Malerin. Zarte bunte Farben dominieren auf den Gemälden Hélène de Beauvoirs. Die Künstlerin malte die Natur, Tiere und Menschen, meist vereint in geradezu paradiesischer Atmosphäre. Die Zersplitterung der Bildgegenstände ist ein Merkmal im Schaffen Hélène de Beauvoirs, ebenso wie die frohe Farbigkeit und die immer wiederkehrenden Tiger, Schmetterlinge, Skifahrer und Bäuerinnen oder die Ansichten von Venedig.

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Keine Arbeit zu viel

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"Sie war beeinflusst von den Futuristen", erklärt Ludwig Hammer. Aber auch die alten Meister haben Hélène de Beauvoir fasziniert. "Sie war in jedem Museum", erinnert sich Hammer an gemeinsam verbrachte Stunden in europäischen Städten. Und: Trotz ihrer Freundschaft zu bedeutenden Künstlern ihrer Zeit hat sich die Beauvoir eigentlich nicht darum gekümmert, was gerade in Mode war. "Darauf hat sie gepfiffen." Ludwig Hammer lacht erneut. Von Angestrengtheit ist bei dem Galeristen nichts mehr zu spüren. Seine Hélène halt. Für die ihm doch keine Arbeit zu viel ist.
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