Gemeinsame Wurzeln

Privatdozent Dr. Hans Losert referierte in Pilsen über die Funde in Iffelsdorf. Bild: hfz

Die archäologischen Ausgrabungen auf einem Acker in Iffelsdorf stoßen auf grenzüberschreitendes Interesse. Rund 100 Zuhörer verfolgten im "Westböhmischen Museum" in Pilsen einen Vortrag von Privatdozent Dr. Hans Losert. Er stellte die Grabungsstelle an der Naab vor.

Bereits seit 1992 unterhält der "Lions-Club" Schwandorf eine Partnerschaft mit den "Lions" aus Pilsen. Gepflegt wird diese Freundschaft in gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Veranstaltungen. Nachdem Pilsen in diesem Jahr den Titel "Europäische Kulturhauptstadt" trägt, wurde bei den Schwandorfer Löwen die Idee geboren, die Verbindung der Regionen in einem Vortrag zu dokumentieren.

Sichtbares Zeichen dieser gemeinsamen Wurzeln sind unter anderem die Funde, die seit einigen Jahren bei Ausgrabungen auf einem slawischen Friedhof aus dem siebten und achten Jahrhundert in Iffelsdorf gemacht werden. Privat-Dozent Dr. Hans Losert, der die Lehrgrabungen der Universitäten Wien und Bamberg zusammen mit seinem österreichischen Kollegen Professor Erik Szameit leitet, konnte als Referent für diese Veranstaltung gewonnen werden.

Knapp 50 Besucher aus dem Landkreis machten sich auf den Weg nach Pilsen, um das Referat von Losert zu hören. Unter den Gästen waren auch Dr. Christoph Steinmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Kreisheimatpfleger für Archäologie Kurt Engelhardt, Bürgermeister Richard Tischler mit Gattin sowie einige der Ausgräber, die derzeit in Iffelsdorf vor Ort sind.

Kultische Handlungen

Auch auf tschechischer Seite stieß der Vortrag auf reges Interesse. Neben rund 50 Mitgliedern und Gästen des "Lions-Clubs" Pilsen war auch eine Delegation aus der Pfreimder Partnerstadt Primda nach Pilsen gereist. In seinem Vortrag beleuchtete Losert unter der Überschrift "Frühmittelalterliche slawische Besiedlung in der bayerischen Oberpfalz - Iffelsdorf" zunächst die Hintergründe der Besiedlung durch die Slawen, um dann näher auf die Funde aus der slawischen Nekropole in Iffelsdorf einzugehen. Besonders erwähnte er dabei unter anderem Gefäße für kultische Handlungen, die den Schluss nahelegen, dass an den Gräbern der Verstorbenen gegessen und sogar gekocht worden sein muss.

Kunstvolle Perlen

Derartige Nachweise für schriftliche Aussagen in Form von Grabungsfunden habe man zuvor nicht finden können. Für Aufsehen sorgten auch der Fund einer awarischen Gürtelschnalle, eines Langsax (einschneidiges Schwert) oder einer großen Anzahl von kunstvoll gefertigten Millefiori-Perlen. Für die tschechischen Zuhörer wurde der Vortrag übersetzt. Greifbar wurden die Ausführungen des Referenten durch einige der im Vortrag angesprochenen Fundstücke, die in drei Vitrinen im Museum gezeigt wurden.

In der Diskussion betonte Richard Tischler: "Ich bin stolz darauf, dass die Funde aus Iffelsdorf es wert sind, zum Gegenstand eines Vortrags in der Kulturhauptstadt Europas gemacht zu werden". Sein Dank galt dem "Lions-Clubs" Schwandorf und dem "Oberpfälzer Wald", die die Ausgrabungen seit einigen Jahren fördern. Der Erlös der Veranstaltung - auf Eintritt wurde zugunsten von Spenden verzichtet - dient der Unterstützung der sozialen Arbeit des "Lions-Clubs" Pilsen, der sich vor allem in der Blindenarbeit engagiert.
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