Gemeinwohl statt Eigennutz

Fast 200 Besucher waren zum Neujahrsempfang der Stadt Mitterteich ins Josefsheim gekommen. Bild: jr

"Unsere Bemühungen für eine soziale Stadt, in der wir viel für Familien tun, zeigt erste Erfolge. Wir hatten im vergangenen Jahr 53 Geburten, so viele wie schon lange nicht mehr." Bürgermeister Roland Grillmeier gab sich beim Neujahrsempfang optimistisch, machte aber auch kritische Anmerkungen.

"Wir grüßen euch" lautet der Titel der Polka, mit der die Stadtkapelle den Empfang der Stadt im Josefsheim eröffnete. Roland Grillmeier ging gleich zu Beginn auf die Terroranschläge in Frankreich ein: "Wir wollen, dass unser scheinbar so sicheres Leben fortgesetzt wird. Wir hoffen, dass die Probleme gelöst werden. Das ist unser aller Wunsch."

In seiner Ansprache zitierte der Bürgermeister Albert Einstein: "Der Mensch kann in seinem Leben einen Sinn nur finden, wenn er sich dem Dienst an der Gemeinschaft widmet." Dies gelte gerade in der jetzigen Zeit, in der viele nur auf das Eigenwohl und nicht das Gemeinwohl achteten. Gerade in einer Kleinstadt mit all ihren Facetten sei Rücksichtnahme wichtig. So müssten heimische Dienstleistungen bevorzugt werden. "Wenn unsere Region zukunftsfähig bleiben soll, müssen wir die heimischen Anbieter stärken."

Grundlage für Zuzug

Weiterhin müsse man sich bemühen, Firmen und Arbeitsplätze in die Region zu bringen, die Bildungsregion Nordoberpfalz weiter auszubauen und so die Grundlage für Investitionen und Zuzug zu schaffen. "Wir sind auf einem guten Weg, werden die genannten Leistungen aber weiter bei der Staatsregierung einfordern." Von großer Bedeutung sei das interkommunale Industriegebiet. "Wir befinden uns dazu in den Startlöchern", informierte Grillmeier. Stolz zeigte er sich auf Kunst und Kultur in der Stadt und lud zur Krippenausstellung ins Museum ein, die noch bis zum 19. Januar läuft. Zum Thema Stadtentwicklung sagte Grillmeier, dass man sich für die Zukunft ausrichten werde. "Wir wollen unsere Städte und Orte aktiv und attraktiv erhalten."

Lob für Betriebe

Voll des Lobes zeigte sich der Bürgermeister angesichts der Unternehmer und Betriebe in der Stadt. "Sie alle sind ein wichtiger Teil unserer Stadt und Grundlage unseres Gemeinschaftslebens." Ganz besonders dankte Grillmeier den Firmen, die im vergangenen Jahr investiert haben oder dies heuer planen. Kurz ging er auch auf die Sanierung der Grundschule ein: "Wir wollen ein modernes und auf die Zukunft ausgerichtetes Schulgebäude mit neuen Lernmöglichkeiten schaffen."

Nicht fehlen durften einige Worte zur Wasserkosten-Umlage und dem Bürgerentscheid am 8. März. Roland Grillmeier bat die Bürger darum, das "große Ganze" im Auge zu behalten. "Wir sind eine Solidargemeinschaft, die sich solidarisch finanziert. Eine Mischlösung ist die gerechteste Lösung", sagte der Bürgermeister und erinnerte an das 20:1-Votum des Stadtrats für eine Aufteilung von Beiträgen und Gebühren. Jeder Mitterteicher sollte von der Möglichkeit Gebrauch machen, an der Abstimmung teilzunehmen.

Eine positive Bilanz zog der Bürgermeister mit Blick auf die Bereiche Sport und Freizeit. "Dennoch brauchen wir immer wieder neue Leute für die Vereinsarbeit. Wir brauchen Unterstützer und werden auch Kooperationen eingehen müssen. Mitterteich wird weiter in Bewegung bleiben." Nachträglich gratulierte Roland Grillmeier dem SPD-Ortsverein zu dessen 110. Geburtstag und erinnerte an die Bürgermeister Robert Lindig, Otto Kilian und Erich Dickert. "Es hat der Stadt gut getan, dass jede Partei schon Bürgermeister gestellt hat." Abschließend dankte der Bürgermeister der Arbeiterwohlfahrt für ihr "tolles Engagement" im Umgang mit den Flüchtlingen. Gleichzeitig forderte Grillmeier die Menschen auf, sich Gedanken zu machen, ob sie nicht auch einen Beitrag leisten können, um etwas in der Stadt zu verbessern.

Glück nicht käuflich

"Glück kann man sich nicht kaufen. So schwer es modernen Menschen auch fällt, Glück kann man sich nur schenken lassen", sagte Stadtpfarrer Anton Witt, der seine Gedanken im Namen der beiden großen christlichen Kirchen kundtat. Dabei zitierte er auch Dietrich Bonhoeffer: "Das kostbarste Gut ist die Zeit. Denn jede Minute ist unwiederbringlich." Sinnvoll und glücklich sei ein Leben, wenn man als Person wachsen könne. Ein solcher Reifungsprozess könne sogar geschehen, wenn man Enttäuschungen und Schicksalsschläge erlebe. Vor allem aber wachse man durch Begegnungen mit Menschen.
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