"Genau das, was wir brauchen"

Elisabeth Gottsche. Bild: rn

Schon lange wird von den Folgen des demografischen Wandels geredet, am Mittwoch gründet sich in Eschenbach ein Verein, der dagegen etwas unternehmen soll. Initiatorin Elisabeth Gottsche erklärt, wie.

. (wüw) Die Aula der Markus-Gottwalt-Schule soll etwas für die Region ganz Neues erleben: Am Mittwoch, 18. November, beginnt dort um 20 Uhr die Gründungsversammlung für den Verein Generationen Hand in Hand (GeHiH). Dessen Ziele und Arbeitsweise erläutert Elisabeth Gottsche im Gespräch.

Frau Gottsche, wie lange haben Sie auf Mittwoch hingearbeitet?

Elisabeth Gottsche: Lange. Vor sechs oder sieben Jahren habe ich bei einer Tagung zur Seniorenarbeit einen Vortrag über die Seniorengenossenschaft Riedlingen in Baden-Württemberg gehört. Das hat mich beeindruckt. Seither führe ich Gespräche dazu. Seit zwei Jahren planen die Seniorenbeauftragten im Vierstädtedreieck das Projekt konkret.

Was genau ist der Vereinszweck?

Gottsche: Wir wollen es Senioren ermöglichen, lange zu Hause zu leben. In meiner Seniorenarbeit begegnen mir immer wieder Menschen, die ins Heim müssen, weil sie durchs Raster der Sozialversicherung fallen, weil sie den Alltag alleine nicht mehr bewältigen können, andererseits noch so fit sind, dass sie von der Pflegeversicherung nicht profitieren.

Es können auch Senioren Mitglied werden, die keine Leistung mehr für andere erbringen können?

Gottsche: Jeder kann Mitglied werden und die Angebote nutzen.

Was ist in den beiden Planungsjahren passiert?

Gottsche: Wir haben viel Zeit gebraucht, um uns zu orientieren. Wir haben vergleichbare Zusammenschlüsse besucht. Und wir haben die Unterlagen für den Förderantrag vorbereitet. Inzwischen haben wir die Zusage des Freistaats. Dafür mussten wir eine Projektskizze und einen Finanzplan vorlegen.

Es gibt also Vorbilder?

Gottsche: Die Seniorengenossenschaft Riedlingen war der Vorreiter. Heute gibt es in Bayern 13 geförderte Projekte dieser Art. Wir haben uns in Neumarkt informiert. Vor allem war aber der Seniorenverein in Kronach unser Ansprechpartner, weil dort die Bevölkerungsstruktur unserer ähnelt.

Und diese Vereine können langfristig selbstständig bestehen?

Gottsche: Ja. Der Verein in Kronach hat 600 Mitglieder. Ab 400 Mitgliedern trägt sich der Verein selbst.

Wie lange geben Sie dem GeHiH, bis er diese Stufe erreicht?

Gottsche: Wir haben eine Förderzusage für drei Jahre. Danach muss sich der Verein selbst tragen.

Was sind die größten Ausgaben?

Gottsche: Am Anfang müssen wir die Grundausstattung anschaffen, zum Beispiel die Büroausrüstung. Und dann schreiben die Förderrichtlinien vor, dass es eine Halbtagsstelle für die Koordination gibt.

Sie haben in den letzten Wochen viele Infoveranstaltung organisiert. Wie sind bisher die Reaktionen?

Gottsche: Die sind gut. In einem Stadtrat steht die Abstimmung noch aus, alle anderen haben einstimmig für den Beitritt gestimmt. Auch von den Menschen höre ich immer wieder, dass ein solcher Verein das ist, was das Vierstädtedreieck braucht.

Gibt es Reaktionen von Nachbarschaftshilfen oder ambulanten Pflegediensten? Für die könnte Ihr Verein zur Konkurrenz werden?

Gottsche: Es war mir wichtig, solche Organisationen vor der Gründung einzubeziehen. Ich habe viele Gespräche geführt und auch hier nur Zuspruch bekommen. Die Pflegedienste zum Beispiel haben mit der Krankenpflege genug zu tun, so etwas bieten wir nicht an.

Am Mittwoch wird sich zeigen, ob Ihre Planung erfolgreich waren. Wie viele Gründungsmitglieder sollten kommen, damit Sie von einem Erfolg sprechen?

Gottsche: Wir hoffen auf 40 Mitglieder bei der Veranstaltung. Wenn es mehr werden, freuen wir uns. Ich glaube aber, dass die Versammlung nicht so wichtig ist. Viele haben keine Luste auf die Formalitäten. Wichtig werden die Wochen danach, dann hoffe ich auf viele Beitritte, und dann muss die Mundpropaganda für GeHih funktionieren.

Welche Rolle werden sie künftig in dem Verein spielen?

Gottsche: Ich möchte mich um die Halbtagsstelle bewerben, um dann als Koordinatorin zu arbeiten. Der Verein ist für mich eine Herzensangelegenheit, ich möchte mich mit voller Kraft einbringen. Dafür würde ich auch meine anderen Aktivitäten zurückschrauben.(Hintergrund)
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