Geschichten ruhen in Dingen und Menschen

Den Oberpfälzer Heimatspiegel 2015 stellten in Trausnitz vor: Verleger Eckard Bodner (von links), Bezirksrat und Altlandrat Volker Liedtke aus Schwandorf, Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder, der Bürgermeister von Trausnitz Martin Schwandner sowie Bezirksrat und Kulturreferent Thomas Gabler. Bild: Götz

Eine Sammlung von Geschichten und Geschichte, die seit dem Jahr 1977 zusammenzufassen versucht, was Oberpfälzer über ihre Heimat schreiben. Der Pressather Verleger und Buchhändler Eckardt Bodner legt einen neuen Oberpfälzer Heimatspiegel vor.

Trausnitz."Geschichten müssten wir uns gemeinsam schaffen, wie Marksteine setzen für das, was wir als unser Leben ansehen wollen. Geschichten ruhen in den Dingen ebenso wie in den Menschen: Geschichten stecken in jeder Berührung, in jedem Blick, in jedem Stein." Von dem oberpfälzischen Schriftsteller Harald Grill stammen diese Sätze, die gut und gerne auch über dem Schaffen und Wirken des Pressather Buchhändlers und Verlegers Eckard Bodner stehen könnten. Er hat am Dienstagabend in Trausnitz, einem der romantischsten Orte in der Oberpfalz, den neuen Oberpfälzer Heimatspiegel vorgelegt. Grill ist mit einem Gedicht über das Glück unter den sechzig Autoren, die diesmal zur Feder gegriffen und Fotos beigesteuert haben.

Gemeinsames Projekt

Der Heimatspiegel soll wirklich ein "Spiegel unserer Oberpfalz" sein, soll dazu anregen, das Gelesene an Ort und Stelle nachzusehen. Nach der Geschichte das Reisen, das man auch in der Heimat tun kann. Bodner hat heuer sechs neue Autoren und drei weitere Fotografen gewinnen können. Die Geschichten greifen wie immer seltene Stücke aus der reichen Historie der Region auf, sind mühevoll und sorgfältig recherchiert und überraschen daher mit Details, die bisher in Archiven und Registern beinahe unbeachtet verstaubten, dabei aber geeignet sind, dem farbigen Bild dieser Landschaft weitere Kostbarkeiten hinzuzufügen.

Beispiel dafür ist ein Beitrag von Peter Pauly aus Neunburg, der die historischen Zusammenhänge des Volksaufstandes von 1705 als Folge des Spanischen Erbfolgekrieges richtig zuordnet. Die Leser erfahren etwas über einen Bewohner des malerischen Hammerschlosses bei Dießfurt, können sich vertiefen in die 900-jährige Geschichte des böhmischen Klosters Kladruby (Kladrau). Verbindungen in die Oberpfalz sind seit 800 Jahren verbürgt und wurden nach dem Fall des sogenannten Eisernen Vorhangs wieder in einem gemeinsamen Projekt belebt. Geschrieben hat den Beitrag Rainer Christoph, Vorsitzender des "Fördervereins Goldene Straße".

Fehlen durfte auch nicht die wechselvolle Geschichte der Burg Trausnitz, in deren Schatten diesmal der Heimatspiegel vorgestellt wurde. Zuvor hatten die Gäste die Anlage, die heute Jugendherberge ist, besichtigen können. Luhe gehört zu den Markten in der Oberpfalz, denen man die reiche Vergangenheit nicht gleich ansieht. Josef Eimer hat ein Stück davon, alte Zeugnisse der Gerichtsbarkeit, ausgegraben und im Heimatspiegel dokumentiert. Ernst Thomann erklärt die Funktion der sogenannten Schleifschalensteine, die sich im Raum Nabburg finden. Sie dienten der Aufruhung von glatt geschliffenen Wetzsteinen. Und Dieter Schwaiger erinnert an die Überwindung der Wassernot im Fränkischen und Oberpfälzer Jura.

Geschichte und Natur

Auch die moderne Geschichte hat ihren festen Platz im neuen Heimatspiegel: Die schreckliche Bombennacht am 17. April 1945 beispielsweise, die den damaligen Eisenbahnknotenpunkt Schwandorf dem Erdboden gleichmachte. Und als der schreckliche Spuk dann vorbei war, kamen die Amerikaner und mit ihnen eine neue Kultur, neues Lebensgefühl. Die Stunde Null mit all ihren Überraschungen war gekommen. Marianne Beringer erinnert daran in ihrem Beitrag.

Einen Ausflug zu einem der interessantesten Naturwunder beschreibt Martin Koppmann. Er hat den alten Vulkankegel des "Rauhen Kulm" bestiegen, erzählt von frühgeschichtlichen Befestigungen, von einer Burg, die es da oben einmal gab und von den erdgeschichtlichen Ereignissen, denen wir dieses landschaftliche Kleinod verdanken.

Feste, Bräuche, Kalender

Von Festen, alten Bräuchen ist zu lesen, und schließlich und endlich vom großen Pfrentschweiher, um den sich eine Menge Sagen ranken, der doch eine ganz einfache, nüchterne Geschichte hat. Natürlich dürfen nebst einem Kalendarium die monatlichen Sprüche nicht fehlen, Weisheiten, wie sie uns von berühmten Leuten überliefert wurden.

Dazu gehört natürlich das Wetter nach dem 100-jährigen Kalender, eine Zeit- und Festrechnung mit allerlei interessanten Details, ein Plan zur Sichtbarkeit der Planeten und die Termine der Sonnen- und Mondfinsternisse. Nächstes Jahr werden es derer jeweils zwei sein. Ein kurzweiliger Jahresbegleiter ist dieser Heimatspiegel mit seinen 208 Seiten allemal. Er versteht sich ferner als verbindendes Element der Regionen nach Böhmen.

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Oberpfälzer Heimatspiegel, 208 Seiten, Auflage 5000 Exemplare 7,95 Euro.
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