Geschüttelt oder gerührt?

Er spielte im "Tatort", hat 250 Rezepte im Kopf, mixt, serviert und inszeniert seine Drinks bühnenreif: Der Cocktailkurs mit Uwe Castor - Wahl-Nabburger, Schauspieler und Barmann - ist gemixtes Wissen.

Nabburg. (cv) Wer dachte, dass ein Cocktailkurs eine recht beschwipste Angelegenheit ist, sieht sich getäuscht. Uwe Castor hat ein schier unerschöpfliches Wissen über Spirituosen, ihre Geschichte und Herstellung "intus". Und bevor die Kursteilnehmer zum Shaker griffen, hatten sie noch viele - trockene - Fragen.

Kurse und Tastings

Uwe Castors Leben ist auch ein Cocktail: Nabburg ist zur Wahlheimat des 49-Jährigen geworden, der manchen "irgendwie bekannt" vorkommt. Kein Wunder: Der Berufsschauspieler ist in diversen TV-Rollen zu sehen und in Nabburg spielte er in Franz Grundlers Stück "Ach Hus". Doch Castor verkörpert nicht nur Geschichten. Er ist ein Meister des Cocktails. Während der Sommermonate wird im Spitzenrestaurant "Agapanto" auf Mallorca jeden Tag ein anderer, raffinierter Drink kreiert. Wieder Zuhause, gibt Castor sein Wissen bei Cocktailkursen und Whisky-Tastings weiter.

Das sommerlich-leichte Ambiente kann Uwe Castor in den nüchternen Räumen der VHS Nabburg zwar nicht bieten, doch dafür unerschöpfliches Wissen über Spirituosen. Als Castor vor 20 Jahren in Augsburg in der Gastronomie zu Jobben begann, wollte kaum jemand etwas von seinem Talent wissen - "bis der Barkeeper krank wurde", lacht Castor. Er hatte die Cocktailkarte auswendig gelernt und punktete. Der 49-Jährige arbeitete in Hotels und Bars, hob die Umsätze mancher Disco "von 500 auf 5000 Euro" und war in Alfons Schubecks Event-Service tätig.

Unerschöpfliches Thema

Was hinter der Bar so lässig inszeniert wird, hat Castor von der Pike auf gelernt. In seiner mobilen Bar zeigt er, worauf es ankommt. Denn Cocktails machen, das ist nicht nur schütteln, rühren und mixen: "Ich muss wissen, was ich vor mir habe und was ich daraus machen kann," meint er mit Blick auf das aufgebaute Spirituosen- und Saft-Sortiment. Der Barkeeper nimmt seine Kursteilnehmer mit auf eine geschichtliche Reise der Alkoholgewinnung. Es ist ein Ausflug zu den Sumerern, die das Grundprinzip der Destillation entwickelten. Das verfeinerte Verfahren wanderte in die Klöster, wo der Obrigkeit "daran gelegen war, den Zustand nach dem Essen zu verbessern".

Mit Kräutern versetzt, wurde der Wermut geboren, den James Bond "gerührt und nicht geschüttelt" bevorzugt. Wo Wein angebaut wird, entsteht auch Weinbrand. Als die Holländer die Welt erobern, stoßen sie auf Bitterorange. Die Firma Bols produziert nach wie vor die entsprechenden Liköre. Castors Ausflug führt nach Lateinamerika, in die Zuckerrohr- und Rum-Produktion, er schildert die Finessen der Wodka-Herstellung in Russland und landet schließlich 1920 in Amerika, in der Zeit der Prohibition.

"Sie wurde zum Siegeszug für den Cocktail", erzählt Castor. "Es wurde mit Sirup gemischt und gemixt, was das Zeug hielt". So konnte man schlechten, schwarzgebrannten Alkohol genießbar machen - "und man roch nicht danach". Die Barkultur begann in "Speakeasies", dem Ursprung der heutigen Barszene, zu blühen. Nach Aufhebung des Alkoholverbots entstanden neue Spirituosen, wurden Techniken verfeinert.

Was Castor in den Bars der Welt gelernt hat, ist in einem Rezeptkästchen aufbewahrt. "Da lasse ich niemanden ran", lacht er. Im Kurs dürfen die Teilnehmer ihre Wunschvarianten an Cocktails, Aperitifs und Digestifs zaubern. Dazu gibt es praktische Hinweise: Eis "bunkert" Limette, sie wird dann nicht bitter. Castor zeigt, wie Cocktails farblich geschichtet werden, erzählt den Kursteilnehmern, dass Eis aus dem Shaker niemals ins Glas gelangen darf. Das verwässert. Beim Verfeinern ist Rohrohrzucker gefragt - auch wenn er teuer ist. "Und beim Shaken sollten die Arme "eine Acht tanzen". Zum Equipement gehört unter anderem ein Bostonshaker, ein Barsieb und ein Jigger (Messbecher). Der Kurs ist normalerweise auf zweieinhalb bis drei Stunden ausgelegt. Um eine Stunde Zugabe kommt Castor bei all den Fragen zu den Cups und Cobblers, Fizzes und Frappés, den Sekt- oder Champagnercocktails allerdings nicht herum. Nächster Kurs ist am 20. März.
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