Gesponserte Forschung

Einen lebendigen und dynamischen Charakter möchte Dr. Peter Styra der Hofbibliothek geben, der größten privaten Büchersammlung der Welt. Spannend liest sich die einzigartige Dokumentation von 360 Jahren europäischer Postgeschichte von Thurn und Taxis (Foto). Bild: Fütterer

"Die Fürstin hat mehrere rechte Hände ..." Bescheiden relativiert Dr. Peter Styra seine Verantwortung für Zentralarchiv, Hofbibliothek, Museen sowie das Kulturmanagement von Thurn und Taxis. Der gebürtige Weidener führt hier die "Regie" mit jährlich mehr als 90 000 Besuchern im Schloss Emmeram.

Regensburg. Der 49-Jährige lässt keinen Zweifel daran, dass er in einem "mittelständischen, gewinnorientierten Unternehmen" arbeitet, das ohne propere staatliche Fördertöpfe wirtschaften muss. Deshalb versteht es sich von selbst, dass der Kultur- und Event-Betrieb von Thurn und Taxis nicht nur kostendeckend sein muss, sondern jährlich den Erhalt dieses Kulturdenkmals von Weltrang ("vergleichbar mit dem Regensburger Dom") durch Einnahmen quasi quersubventioniert.

"Wir sind stringent organisiert und sehr effektiv aufgestellt", erzählt Dr. Styra, der seinen gesamten Zuständigkeitsbereich mit vier Mitarbeitern bewältigt: mit zwei Vollzeit-, einer Teilzeit- und einer 400-Euro-Kraft. Dazu kommen 30 Studenten als Schlossführer und 10 Aufsichten in den Museen. "Das Konzept mit den alle drei bis fünf Jahre wechselnden Studenten hat sich bewährt. Denn die freundlichen, gut angezogenen und versierten jungen Leute sind eine Visitenkarte für uns. Sie leiern die Geschichte nicht herunter, sondern vermitteln sie lebendig", sagt Styra. Ausstaffiert mit einem 130-Seiten-Skript - Hintergrund-Daten und Wissenswertes zur Familien- und Postgeschichte - wandert Styra mit jedem angehenden Führer zwei Mal persönlich durch das riesige Schloss. Die Kosten für den Unterhalt von St. Emmeram (700 doppelflügelige Fenster und 119 Außentüren) verschlingen Millionen Euro im Jahr. Aktuell steht ein neues Dach mit einer Fläche von 20 000 Quadratmetern an.

Peter Styra arbeitet gerne im "Thurn-und-Taxis-Familienbetrieb" und Empathie schwingt mit, wenn er über die "Direktheit, die Entscheidungsfreude und Pfiffigkeit" seiner "Chefin" spricht: Mit der "völlig unkomplizierten" Fürstin Gloria (55) kommuniziert er oft mehrmals täglich. "Sie ist immer erreichbar, voller Ideen und gibt richtig Gas. Ich schätze sie sehr." Er bekundet höchsten Respekt, dass durch den Einsatz von Fürstin Gloria "nach schwieriger Zeit der Laden heute läuft". Die interne Anrede lautet übrigens im betrieblichen Alltag "Durchlaucht": Ein Prädikat, welches das Haus Thurn und Taxis im 18. Jahrhundert für 21 000 Gulden erworben hat. "Fürstin Gloria ist die einzige Regensburgerin und Oberpfälzerin von wirklich internationaler Bedeutung", meint Styra, der für seine "Chefin" auch den Facebook-Auftritt betreut. "Die Fürstin will als moderner Mensch auch in den digitalen Medien präsent sein."

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"St. Emmeram ist kein Museum, sondern ein lebendiges, bewohntes Schloss. Fürstin Gloria schottet sich nicht ab, sie mag die Menschen", betont Peter Styra. In diesem Sinne ist die größte Privatbibliothek der Welt mit über 220 000 Bänden der Öffentlichkeit zugänglich. Darüber hinaus sponsert Thurn und Taxis Studenten für ihre Doktorarbeit bis zu drei Jahre bei Themen rund um das Schloss. Styra: "Wir sind das einzige deutsche Fürstenhaus, das mit Dissertationen seine Geschichte wissenschaftlich erforscht. Dies macht Spaß und dient dem Ruhme von Thurn und Taxis."

Derzeit betreut Styra rund 20 Doktorranden. Die fürstliche Familie zieht "jede Menge Erkenntnisse" aus der Forschung. Beispielsweise, dass Thurn und Taxis im 16. Jahrhundert in den Postverkehr mit der Neuen Welt involviert war. "Die Dissertationen sind auf Thurn und Taxis fokussiert. Die Geschichte des Hauses wird gezielt erforscht." Die Hofbibliothek misst unvorstellbare zehn Kilometer Regalfläche, davon 5,5 Kilometer Archiv. Die älteste Urkunde (karolingische Schenkung) reicht bis auf das Jahr 819 zurück. Gerade läuft die Digitalisierung von Zehntausenden privaten Fotos von Fürstin Gloria, die über Jahrzehnte von den berühmtesten Fotografen der Welt abgelichtet wurde. "Wir verstecken uns nicht hinter der angeblichen Langeweile einer Bibliothek. Geschichte ist so spannend", unterstreicht Styra.

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Gummibärchen und VIP's

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Schmunzelnd erzählt Peter Styra vom Museumsshop, dessen Betreuung ebenfalls in seine Zuständigkeit fällt. Seine Weidener Wurzeln schlagen dabei durch, so sind die Kaffee-Sammeltasse und der Aschenbecher eine Sonderanfertigung von Bauscher Weiden. Als Verkaufsschlager erweisen sich die Gummibärchen mit figürlichen Darstellungen aus dem fürstlichen Wappen, etwa dem Dachs. Auch darum kümmert sich Dr. Peter Styra, wenn er mal nicht gerade die VIP's wie bei den jüngsten Schlossfestspielen betreut, darunter Legenden wie Quincy Jones.
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