"Girglsdoch" lebt wieder auf

Die während des Zweiten Weltkriegs gebaute Kirche in Sassenreuth ist dem heiligen Georg geweiht. Das Altarbild - es stammt aus Klardorf bei Schwandorf, wo Pfarrer Josef Bollmann vor seiner Zeit in Kirchenthumbach als Kaplan eingesetzt war - zeigt den für seine Tapferkeit bekannten Märtyrer als Ritter auf einem Pferd, wie er mit der Lanze einen Drachen bekämpft. Bild: ü

Der Georgstag in Sassenreuth, im Volksmund auch "Girglsdoch" genannt, erlebt eine Renaissance: Auf Initiative von Pater Dr. Benedikt Röder, der Feuerwehr und der Katholischen Landjugend, kommt der Feiertag nach fast 60 Jahren Pause am Donnerstag, 23. April, zu neuen Ehren.

Der "Girglsdoch" hat seinen Ursprung im Kirchenbau. Pfarrer Leonhard Zechmeier und sein Nachfolger Pfarrer Josef Bollmann hatten das Sassenreuther Gotteshaus in den Kriegsjahren 1940 bis 1942 bauen lassen und dem heiligen Georg geweiht.

Als früher am 23. April das Patrozinium der Kirche gefeiert wurde, ruhte die Arbeit in Sassenreuth gänzlich. Gerne erinnern sich die älteren Einwohner des Ortes an diesen Tag, der groß gefeiert wurde. Im Hochamt wurde der heilige Georg, einer der 14 Nothelfer, verehrt. Am Nachmittag folgte eine Pferdesegnung. Doch auch die weltliche Feier kam nicht zu kurz: Der Rest des Tages spielte sich in den beiden Dorfwirtshäusern und auf der Tanzbruck ab - die Sassenreuther verstanden es zu feiern.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs lösten in der Landwirtschaft die Pferde die Ochsen- und Kuhgespanne ab. Es war damals nicht einfach, geeignete Rösser zu finden, zumal sowohl Pferde als auch das liebe Geld knapp waren.

"Umschulung" fürs Feld

Im Frühsommer 1945 fand auf dem Marktplatz in Kirchenthumbach unter Aufsicht der amerikanischen Besatzungssoldaten eine Versteigerung von Pferden statt, die teilweise aus Militärbeständen, aber auch von Heimatvertriebenen stammten. Als Auktionator fungierte der Braumeister und ehemalige Offizier Karl Heber. Zu den Bietern gehörten auch die Bauern aus der "Sassenreuther Gmoi".

Da es sich bei den Rössern überwiegend um Reitpferde handelte, mussten sie für die Feldarbeit erst umgeschult werden. Doch man war froh und stolz, überhaupt Pferdestärken einsetzen zu können. Um die Pferde vor Krankheiten und Verletzungen zu schützen, wurden sie am "Girglsdoch" gesegnet.

Segnung auf der Dorfwiese

Kaplan Johann Ascherl, der 1950 nach Kirchenthumbach versetzt worden war und auch die Gläubigen der damals noch selbstständigen Gemeinde Sassenreuth seelsorgerisch betreute, ist es Erzählungen nach zu verdanken, dass das Patronatsfest in größerem Rahmen begangen wurde. Um 9 Uhr wurde ein Festgottesdienst gefeiert, nach dem die Frauen eilig nach Hause liefen und den Schweinebraten mit "Hofaknidla" zubereiteten. Die Mannsbilder kehrten derweil entweder "beim Steiger" oder "beim Holln" zum Frühschoppen ein, ehe es nach Hause zum Mittagessen ging.

Viel Zeit blieb ihnen danach nicht, denn schon um 14 Uhr riefen die Glocken zur Andacht. Im Anschluss wurde der Geistliche zur Dorfwiese (heute Neubaugebiet) geleitet, wo die bunt geschmückten Pferde in Reih und Glied standen. Nach Fürbitten und Gebeten wurden die Tiere gesegnet.

Wagen mit Symbolen

Nun kam die Zeit der weltlichen Feier. Zu den Klängen der Blaskapelle Kirchenthumbach unter Stabführung des längst verstorbenen Kapellmeisters Alois Zeitlmann zogen die stolzen Besitzer mit ihren Rössern durchs Dorf.

Später wurden auch Wagen mitgeführt. Auf einem von ihnen wurden Saat und Ernte symbolisch dargestellt. Zurück auf dem Dorfplatz wurde das Tanzbein geschwungen. Dazu war eigens vor dem Feuerwehrhaus eine "Tanzbruck" aufgebaut, damit die Dorfjugend zu ihrem Recht kam.

Bedingt durch den Einzug der Technik verzichteten die Bauern zunehmend auf den Einsatz von Rössern. Bereits 1958 wurde die Pferdesegnung eingestellt.
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